Lehrgeld gezahlt

HSG Wetzlar – Eulen 29:11 (13:6) 19.11.2020 21:06 // hk

Das tut weh: Die Eulen Ludwigshafen haben ihr Bundesligaspiel bei der HSG Wetzlar 11:29 (6:13) verloren. Nach einer 3:0-Führung gaben die Eulen das Spiel aus der Hand und zahlten Lehrgeld. Es war der höchste Sieg in der Bundesligageschichte der HSG. „Das wird mir in Erinnerung bleiben …“, sagte Ben Matschke nach dem Debakel, das er mit dem 0:6 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Spanien verglich. „Ich habe zum ersten Mal gesehen, dass sich Friesenheim aufgegeben hat“, sagte HSG-Coach Kai Wandschneider. „Ich habe so etwas noch nie erlebt. Tut weh“, sagte Eulen-Spielmacher Dominik Mappes nach der bitteren Schlappe: „Wir müssen weiter hart, hart arbeiten. Wir haben nächste Woche GWD Minden zu Hause. Da müssen wir vieles anders machen.“

In der Rittal Arena war’s, wie’s derzeit überall in Handball-Deutschland ist: Geisterkulisse und Maskenpflicht. Für Ben Matschke, den Eulen-Coach, war es die Begegnung mit seiner Zukunft. Ab 1. Juli ist er Cheftrainer der HSG Wetzlar, folgt dort auf Trainer-Dauerbrenner Kai Wandschneider. Der 61-Jährige ist seit acht Jahren Coach der HSG. Um 18.56 Uhr gab es einen kurzen Händedruck zwischen Wandschneider und Matschke. Am Ende gab’s eine intensive Fachsimpelei. Sportfreunde!

Debakel nach Traumstart

Es begann traumhaft für Matschkes Team: Die Abwehr stand zunächst felsenfest. Azat Valiullin, Dominik Mappes und nochmals Valiullin hatten nach sechs Minuten eine 3:0-Führung der Eulen heraus geschossen. Beim Stand von 2:3 meisterte Gorazd Škof einen Siebenmeter von Maximilian Holst, zwei Minuten später ließ Christian Klimek das 4:2 folgen und Škof parierte großartig gegen den frei gespielten Olle Forsell Schefvert (12.). In der Folge aber gaben die Eulen das Spiel aus der Hand. Da war Till Klimpke mit sechs Paraden bis zur Pause, da gab es Fehlpässe, leichte Ballverluste und zu viele Fahrkarten. Im Angriff ging nichts mehr! Beim Stand von 8:5 für die HSG scheiterte Daniel Wernig vom Punkt an Tibor Ivanisevic. Holst erwies sich – wie fast immer - als sicherer Siebenmeterschütze, hatte mit fünf verwandelten „Siebnern“ seine Aktie an der 13:6-Pausenführung. Bitter: Wernig vergab auch einen zweiten Siebenmeter (33.). Christian Klimek, mit der Hypothek zweier früher Zeitstrafen unterwegs, nutzte seine erste drei Chancen, aber die HSG mit ihrem exzellenten Rückraum ließ nichts anbrennen. Und dann war da immer wieder der starke Till Klimpke, der vier freie Chancen von Pascal Durak und Jan Remmlinger vereitelte. Im Angriff lief’s für die HSG. Da stach auch Kreisläufer Anton Lindskog. 22:10 nach 48 Minuten, 29:11 am Ende. „Das tut weh“, sagte Ben Matschke, der nach einem Top-Start einen totalen Einbruch erlebte.

Pechvogel „Johnny“ Scholz

Das ist Pech: Jonathan Scholz hat erneut einen Muskelfaserriss in der Wade erlitten. Wie in den ersten fünf Saisonspielen wurde der etatmäßige Linksaußen erneut von Jan Remmlinger (26) ersetzt, den Philipp Grimm (35) entlasten sollte. Der Teammanager sprang drei Jahre nach seinem Karriereende auch in Wetzlar wieder ein. „Johnny“ Scholz hat erst am sechsten Spieltag beim 27:27 gegen den TSV Hannover-Burgdorf nach auskuriertem Muskelfaserriss sein Comeback gegeben. Der Vize-Kapitän wird vom Pech verfolgt …

Eulen auf der Suche nach einem Exil

Das nächste Heimspiel der Eulen nächste Woche gegen GWD Minden wird für lange Zeit das letzte in der Friedrich-Ebert-Halle sein: Die Stadtverwaltung Ludwigshafen hat gestern bestätigt, dass die Ebert-Halle zum Impfzentrum wird und ab Ende November für den Spielbetrieb des Handball-Bundesligisten nicht mehr zur Verfügung steht. Die Geschäftsführung der Eulen wurde von der Entscheidung überrascht, sagt Lisa Heßler. Die Geschäftsführerin ist auf der fieberhaften Suche nach einem Ausweichquartier. Im Dezember sind noch drei Heimspiele angesetzt: Am 12. Dezember gegen die Füchse Berlin, am 19. Dezember gegen die SG Flensburg-Handewitt, und am 26. Dezember gegen MT Melsungen. Noch weiß niemand, wo das sein wird, wo das sein kann. Die Eulen – heimatlos – auf der Suche nach einem Exil.

Statistik
HSG Wetzlar: Klimpke (23.und 33. Ivanisevic Siebenmeter) - Cavor (5), Mirkulovski (1), Forsell Schefvert (2) - Björnsen (1), Holst (7/5) - Lindskog (5) – Rubin (2), Gempp (1), Frederiksen, Hennigsson, Weissgerber (2/1), Mellegard (2), Srsen (1)

Eulen Ludwigshafen: Škof, Tomovski (28. Siebenmeter, ab 45.) - Klein (1), Mappes (2), Valiullin (3) - Durak, Remmlinger (2) - Klimek (3) – Dietrich, Neuhaus, Bührer, Wagner, Haider, Wernig, Meddeb

Spielverlauf: 0:3 (6. Minute), 2:4 (12.), 6:4 (20.), 12:6 (29.), 13:6 (Halbzeit), 16:10 (39.), 19:10 (42.), 22:10 (49.), 26:10 (55.), 29:10 (59.), 29:11 (Endstand) - Siebenmeter: 7/6 - 2/0 - Zeitstrafen: 4/6 - Zuschauer: keine - Schiedsrichter: Grobe/Kinzel (Braunschweig/Bochum).

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