Der „Traktor“ gibt Gas

Eulen in Wetzlar ohne Scholz 19.11.2020 18:20 // hk

Trainer Ben Matschke sieht ein „unfassbar gutes Playbook“ bei der gastgebenden HSG Wetzlar. Damit nicht alle Seiten darin aufgeschlagen können, dafür kann auch ein umtriebiger Individualist wie Max Neuhaus für die Eulen Ludwigshafen heute Abend Sorge tragen. Um 19 Uhr pfeifen Hanspeter Brodbeck (Reutlingen) und Simon Reich (Metzingen) die Partie des 9. Spieltags in der Rittal Arena an. Im 16-Mann-Kader der Eulen gibt es eine Änderung gegenüber dem Heimspiel gegen den HC Erlangen: Philipp Grimm (35) ersetzt „Johnny“ Scholz. Der etatmäßige Linksaußen hat – wie schon in der Saisonvorbereitung – eine Verletzung an der Wade erlitten und fällt erneut aus. Erst am sechsten Spieltag beim 27:27 gegen den TSV Hannover-Burgdorf hatte der 29 Jahre alte Vize-Kapitän nach auskuriertem Muskelfaserriss sein Comeback gegeben. Sky überträgt die Partie in Wetzlar live. Karsten Knäuper bedient den Liveticker im Facebook-Kanal der Eulen.

Lob für den geduldigen Max

Max Neuhaus war in der vergangenen Saison, seiner ersten in der Bundesliga, so etwas wie der Überflieger im Eulen-Kader. 23 Einsätze, 58 Tore, davon 24 durch Siebenmeter. Der im Sommer 2019 von der zweiten Mannschaft des SC Magdeburg gekommene Junioren-Nationalspieler stürmte in die Herzen der Fans. Nach einer Verletzung in der Vorbereitung dieser Spielzeit war’s ein zäher Beginn für Neuhaus. Der „Traktor“ stotterte just, als sich gegen Magdeburg die Chance auf mehr bot. Kurzeinsätze folgten. In sieben der bisher acht Spiele kam Neuhaus zum Einsatz, traf zehnmal. Gerade die beiden Treffer beim 26:30 gegen Erlangen letzten Samstag waren typisch Neuhaus. Da war er wieder der Wühler, der sich in eine Abwehr „rein beißt“. Mit solchen „Wirkungstreffern“ sammelt der 21-Jährige Argumente für mehr Einsatzzeiten. „Klar will ich mehr spielen. Ich gebe in jedem Training alles, um mich aufzudrängen. Ich warte geduldig auf meine Chance“, betont Neuhaus, der froh über die aktuelle positive Rückmeldung des Trainers ist. „Der Coach hat mir signalisiert, dass er zufrieden mit meiner Arbeit ist. Ich bin ja jetzt immer im Überzahlspiel gekommen“, sagt der Rückraumspieler.

„Max ist ein sehr geduldiger Spieler“, anerkennt Ben Matschke: „Er akzeptiert seine Rolle in der Special Plays. Das macht er sehr gut! Er weiß, dass sind seine Situationen. Er weiß, da muss ich liefern. Das macht er. Er kam am Dienstag auch zum freiwilligen Training. Er will mehr machen, auch um mehr zu spielen. So möchte ich das auch sehen.“

Selbstkritik ist angesagt

Was Max Neuhaus schmerzt ist die 24:27(7:15)-Niederlage im Schlüsselspiel in Nordhorn. „Wir haben in den Spielen zuvor schon guten Handball gezeigt. Ärgerlich, dass wir das in Nordhorn nicht geschafft haben, wo es um alles ging. Acht Tore Rückstand zur Halbzeit, das ist ein Rückstand, den aufzuholen ist megaschwer. Und man muss auch zugeben, dass Nordhorn an dem Tag gut Handball gespielt hat. Wir müssen die zwei Punkte jetzt gegen einen Gegner holen, gegen den man uns das nicht unbedingt zutraut.“

„Kämpfen bis zum Umfallen“

Vor der hohen Hürde in Wetzlar hat Max Neuhaus Respekt. „Gegen Wetzlar haben wir meist nicht gut ausgesehen“, weiß der Rückraumspieler, der als Mittelmann Regie zu führen vermag, aber der Mannschaft auch Halblinks oder Halbrechts zu helfen weiß. Sein Fernstudium – Betriebswirtschaft und Management - treibt Neuhaus „nebenbei“ voran. Neuhaus: „Es geht darum, in jedes Spiel zu gehen, als wenn es um alles geht! Man darf ein Spiel nicht schon vorher abschenken.“ Klar ist für den Mann, der den Schlagwurf als besondere Stärke einzusetzen weiß, dass die Eulen wieder besser in der Abwehr stehen müssen als zuletzt. „Wetzlar wird schwer. Das ist eine Mannschaft mit sehr viel Erfahrung. Aber wir müssen in jedem Spiel bis zum Umfallen kämpfen. Dann sieht man, was dabei herauskommt.“ Ist demnächst ein Heimsieg fällig, am liebsten schon GWD Minden, hat Neuhaus eine neue Zusatzrolle: Er ist als Nachfolger Kai Dippes für die Humba zuständig.

Der 16-Mann-Kader der Eulen für Wetzlar:
Tor: Gorazd Škof, Martin Tomovski
Rückraum rechts: Jannek Klein, Yessine Meddeb
Rückraum Mitte: Dominik Mappes, Max Neuhaus, Pascal Bührer
Rückraum links: Gunnar Dietrich, Azat Valiullin, Hendrik Wagner
Rechtsaußen: Pascal Durak, Daniel Wernig
Linksaußen: Jan Remmlinger, Philipp Grimm
Kreis: Christian Klimek, Maximilian Haider

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