Eine Sekunde fehlte zum Punktgewinn

05.12.2019 22:56 // kk

Jedes verlorene Spiel tut weh, aber diese Auswärtsniederlage in Melsungen war besonders bitter, weil die Gastgeber den entscheidenden Siegtreffer praktisch mit der Schlusssirene eine Sekunde vor dem Spielende erzielten.

Für beide Mannschaften war es nach dem DHB-Pokal Viertelfinale das zweite Spiel innerhalb von 48 Stunden, aber gerade den Eulen, die als Auswärtsmannschaft zusätzlich die Busfahrt nach Kassel in den Knochen hatten, merkte man diese Belastung nicht an.

Den besseren Start in diese Partie hatten die Gastgeber, die über ein 2:0 die Führung nach 8 Minuten auf 4:2 ausbauten. Ben Matschke hatte sich in der Defensive zu Beginn für eine Variante mit zwei vorgezogenen Spielern entschieden, die vor allen Dingen die gefährlichen Häfner und Kühn aus dem Spiel nehmen sollten. Ein weiterer Schachzug des Trainers, der nach der Pokalbelastung oft auf allen Positionen rotierte, war sicherlich, dass Gunnar Dietrich in der ersten Halbzeit ausschließlich in der Abwehr agierte und Azat Valliulin für die eigenen Angriffsaktionen auf die Platte kam. Auch wenn beide Mannschaften sich im Angriff leichte Fehler erlaubten, bissen sich die Eulen in das Spiel und gingen in der 12. Minute durch Dominik Mappes zum ersten Mal mit 4:5 in Führung. In Überzahl schlug Melsungen aber direkt zu und holte sich die Führung beim 6:5 zurück. Mit einem schon zu diesem Zeitpunkt starken Gorazd Skof im Tor, einer konzentrierten Abwehrleistung und Kreativität in den Angriffsaktionen antworteten die Eulen mit drei Toren in Folge und lagen nach 18 Minuten beim 6:8 mit zwei Treffen in Front. Auch eine doppelte Unterzahl nach Zeitstrafen gegen Gunnar Dietrich und Jan Remmlinger überstanden sie gut und konnten mit einem hochverdienten 11:11 in die Kabine gehen.

Das erste Tor zu Wiederbeginn gehörte den Eulen, denn Johnny Scholz erzielte das 11:12. Es blieb aber zunächst weiter ausgeglichen. Die beste Phase der Eulen kam dann zwischen der 33. Und 40. Minute als es der Mannschaft gelang über 13:16 auf 15:18 davon zu ziehen. Einen großen Anteil daran hatte Gorazd Skof, der mit weit mehr als 10 Paraden, die Angreifer der MT gerade bei freien Bällen immer wieder zur Verzweiflung brachte. Zu diesem Zeitpunkt musste Ben Matschke schon auf Taktgeber Dominik Mappes verzichten, der nach einer Aktion ein Ziehen im Muskel verspürte und nicht mehr zurück auf die Platte kam. Trotz dieser Schwächung blieben die Eulen auch weiter immer mit mindestens einem Tor vorne. Erst in der 54. Minute gelang Melsungen beim Stand von 22:22 der Ausgleich und zwei Minuten später die Führung zum 24:23. Viele fühlten sich jetzt an das Magdeburg-Spiel erinnert, als den Eulen in der Schlussphase nicht mehr viel gelang.  Die letzten Minuten und besonders Sekunden sollten dann die bisher dramatischten und spannendsten der bisherigen Saison werden. Beim Stand von 25:25 waren noch 11 Sekunden auf der Uhr. Melsungen nahm die Auszeit und nach einer eigentlich geklärten Aktion, gab es noch einmal Freiwurf für die MT und für viele unverständlich wurde die Zeit angehalten. Julius Kühn erzielte dann in letzter Sekunde den Siegtreffer, obwohl der überragende Gorazd Skof auch bei diesem Wurf noch die Hand am Ball hatte. Bitterer konnte man dieses Spiel nicht verlieren und die Eulen stehen wie schon oft in dieser Saison nach großem Kampf und einer leidenschaftlichen Energieleistung mit leeren Händen da. Sport, und auch gerade Handball, ist nicht immer gerecht, denn die Eulen hatten mindestens einen Punkt mehr als verdient. Schaut man auf die einzelnen Spiele, hätte die Mannschaft schon vier oder fünf Punkte mehr auf dem Konto haben können und diese auch verdient. „Stehst Du oben gewinnt man diese Spiele – stehst du unten, verliert man sie.“ Eine alte Weisheit, die leider genau den Punkt trifft. Aber für die junge Mannschaft von Trainer Ben Matschke ist der Weg das Ziel und sie wird sich auch noch für die Leistungen belohnen. Nach dieser anstrengenden und kräftezerrenden Woche ist jetzt Zeit zur Regeneration, um den Akku bis zum nächsten Heimspiel am kommenden Donnerstag gegen Hannover-Burgdorf wieder aufzuladen.

 

Stimmen zum Spiel:

Ben Matschke:

„Wir spielen seit mehreren Wochen einen guten Ball und schaffen es immer wieder dem Gegner ihre Stärken zu nehmen, auch heute hier gegen die MT. Wir fühlen uns aber in vielen Situationen auch benachteiligt, was Siebenmeter und Zeitstrafen betrifft, denn die Statistik spricht da deutlich gegen uns. Wir stehen wieder mit leeren Händen da und es ist schwer der Mannschaft über Wochen immer wieder zu vermitteln, den Fokus auf das nächste Spiel zu legen. Das Spiel heute hatte unterschiedliche Vorzeichen. Melsungen kam mit einem Pokalsieg über die Füchse Berlin, Gratulation auch dazu und viel Erfolg beim REWE Final4 in Hamburg. Wir dagegen fuhren mit einer Pokalniederlage gegen Lemgo hierher. Wir haben jetzt noch einen Endspurt mit vier Spielen bis zum Jahresende vor der Brust, davon drei Heimspiele, in denen wir an unsere Leistungen anknüpfen wollen, um es den Gegnern so schwer wie möglich zu machen. Ich ziehe den Hut vor meiner Mannschaft ziehen, die es nach der Enttäuschung geschafft hat, hier wieder alles reinzuwerfen und zu geben. Was die Mannschaft leistet, immer wieder aufsteht, Charakter und Mentalität zeigt, ist toll und gebührt allergrößten Respekt.“

Dominik Mappes:

„Wir haben hier heute wirklich über zwei Halbzeiten super gespielt und zwar alle Jungs, die auf dem Feld waren, natürlich mit einem überragenden Gorazd Skof im Tor. Vorne haben wir geduldig gespielt und auf unsere Chancen gewartet. Wir haben gekämpft und es Melsungen sehr schwer gemacht. Aber ich bin natürlich enttäuscht und traurig, besonders über die letzte Entscheidung der Schiedsrichter, die ich nicht nachvollziehen kann. Wir hätten hier mindestens einen Punkt verdient gehabt, aber so ist der Sport. Aber irgendwann wird man belohnt und diese Belohnung wird noch kommen. Zu meiner Verletzung kann ich aktuell nur sagen, dass ich nach einer Aktion beim Zurücklaufen ein Ziehen im Gesäßmuskel gespürt habe und gemerkt, dass ich so nicht weiterspielen kann. Aber die Jungs haben das auch ohne mich super gemacht und es ist ärgerlich und schade, dass wir am Ende hier nichts mitnehmen.“