Gäste Portrait HSG Nordhorn-Lingen
Mit 5:3 Punkten aus den ersten vier Spielen belegt die HSG Nordhorn-Lingen derzeit Rang acht der 2. Handball-Bundesliga, doch wer die Lage der Niedersachsen verstehen will, darf sich in dieser Saison nicht allein auf die Tabelle verlassen. Nach dem letzten Spieltag wird die Handball-Bundesliga dem Club sechs Punkte abziehen, nachdem die unabhängige Lizenzierungskommission im August „nicht unerhebliche Abweichungen“ gegenüber jenen Angaben festgestellt hatte, die der Verein im Frühjahr im Lizenzierungsverfahren gemacht hatte. Bereits im Juli hatte die Kommission dem Verein und seinem wirtschaftlichen Träger zusätzliche Auflagen erteilt, mit denen die finanzielle Situation abgesichert werden sollte.
Der Sanktion ging ein Sommer voraus, der den Verein an seine Grenzen führte. Michael Jonker, der erst seit April als Geschäftsführer im Amt ist, musste unmittelbar vor dem Trainingsauftakt einräumen, dass die wirtschaftlichen Probleme der vergangenen Saison weiterhin bestehen, und der Liga kurzfristig nachweisen, wie eine von ihr ermittelte Unterdeckung der Liquidität ausgeglichen wird. Wenige Tage vor dem ersten Spieltag verkündete die HSG schließlich den Einstieg dreier neuer Gesellschafter, unter denen sich auch ein langjähriger Partner des Vereins befindet. Begleitet von einem Sanierungsbeirat soll so nach den Worten des Clubs Schritt für Schritt die Grundlage für eine „neue, langfristig stabile und erfolgreiche HSG“ entstehen, zu der perspektivisch auch ein Jugendleistungszentrum für die Region gehören soll.
Der sportliche Auftakt verlief zunächst ernüchternd, denn bereits in der ersten Runde des DHB-Pokals schied die HSG mit 35:37 beim Drittligisten Longericher SC aus, nachdem sie der Offensive der Kölner vor allem in der Abwehr zu wenig entgegenzusetzen hatte. In der Liga fand die Mannschaft jedoch schnell in die Spur und gewann zum Auftakt mit 32:29 bei TuSEM Essen, wobei Kapitän Tarek Marschall mit elf Treffern herausragte. Beim anschließenden 28:20 gegen Aufsteiger ASV Hamm-Westfalen in der Lingener EmslandArena stand es zur Pause noch 12:12, ehe die HSG im zweiten Durchgang über ihre Abwehr ins Spiel fand und die Gäste mit einem 8:0-Lauf 17 Minuten lang ohne eigenen Treffer ließ.
Wie schnell sich ein Spielverlauf allerdings drehen kann, erfuhren die Nordhorner beim TV 05/07 Hüttenberg. Dort hatten sie nach einem frühen 1:5 durch die Umstellung auf das Spiel mit sieben Feldspielern die Kontrolle übernommen und lange geführt, gaben die Partie beim Stand von 25:25 aber mit einem 0:4-Lauf noch aus der Hand und verloren mit 28:31. Gegen den HSC 2000 Coburg lag die HSG im Euregium nach 22 Minuten bereits mit 8:14 zurück, kämpfte sich nach der Umstellung auf eine offensive Deckung jedoch zurück und sicherte sich am Ende noch ein 31:31, zu dem Christian Wilhelm acht Treffer bei neun Versuchen beisteuerte, obwohl er vor der Partie keine einzige Trainingseinheit absolviert hatte. Coburgs Trainer zollte den Gastgebern anschließend Respekt und stellte fest: „Es gibt nicht viele Mannschaften, die hier in Nordhorn Punkte holen werden.“ In eigener Halle ist die HSG damit noch ohne Niederlage.
Zur auffälligsten Figur der ersten Wochen hat sich Torhüter Kacper Ligarzewski entwickelt, der in Essen 21 Würfe und darunter fünf Siebenmeter parierte und auch in Hüttenberg auf 21 Paraden bei einer Quote von 45 Prozent kam. Gegen Coburg wehrte er bereits den siebten Strafwurf der noch jungen Saison ab.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt eine Personalie abseits des Ligaalltags, denn Mark Bult übernimmt ab dem 1. Oktober zusätzlich das Amt des niederländischen Nationaltrainers und ist an den Verband bis zu den Olympischen Spielen 2028 gebunden. Der Verein unterstützt die Doppelfunktion ausdrücklich und verweist darauf, dass während der Länderspielphasen das Trainerteam um Co-Trainer Frank Schumann die Einheiten leiten wird.
