„Serkan Çalar – wir werden ihn nicht vergessen!“

09.08.2026 09:47 // hk

Die Familie Çalar sagte DANKE! Danke für den würdevollen Rahmen des Benefizspiels zu Ehren und zum Gedenken an den im Dienst zum Opfer eines unfassbaren Gewaltverbrechens gewordenen Ludwigshafener Zugbegleiter Serkan Çalar. Danke für den Schulterschluss der Gesellschaft. Danke für die Unterstützung. Danke für das Miteinander. Danke für die Spenden. Das Resultat - 27:27 (12:14) zwischen Zweitligist Eulen Ludwigshafen und Drittligist HG Saarlouis in einem spannenden Kampfspiel mit viel Tempo - war gerecht und doch zweitrangig. Wichtig ist das Miteinander, wichtig ist der Reinerlös. Sicher sind die rund 4500 Euro auf dem Spendenkonto. Dazu kommt die Summe X aus dem Ticketverkauf. Der Kassensturz folgt in der kommenden Woche. Der Weiße Ring, der sich seit Jahrzehnten um Opfer von Gewaltverbrechen kümmert, übernimmt die Auszahlung an die Familie.

Der Tod als Mahnung

Schirmherr des Benefizspiels war Ministerpräsident Gordon Schnieder, der nicht beim Spiel sein konnte. Seine Video-Botschaft, die vor Spielbeginn in der Halle eingespielt wurde, berührte und bewegte sehr. Schnieder sagte unter anderem: „Serkan Çalar hat seinen Job gemacht. Er wurde Opfer einer schrecklichen Gewalttat. Er hinterlässt Menschen, die tragen müssen, dass er nicht mehr da ist.“ Dass die Eulen das Benefizspiel organisierten, Menschen sich in Solidarität übten, „bewegt mich tief“, sagte der CDU-Politiker: „Serkan Çalar – wir werden ihn nicht vergessen! Sein Tod mahnt uns alle. Als Gesellschaft dürfen wir Gewalt niemals hinnehmen. Wer für uns im Einsatz ist, verdient unseren Schutz!“

Dankbar für Solidarität

Marcus Klein, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Sport, Ehrenamt und Medien, vertrat Ministerpräsident Gordon Schnieder am Samstag in Ludwigshafen. Mit sehr persönlichen Worten sprach er die Familie des im Dienst getöteten Bahnbediensteten an, machte sein Mitgefühl deutlich, und zeigte sich dankbar für geübte Solidarität nach einer Tat, „die uns heute noch fassungslos macht“. Klein: „Die Idee, die uns verbindet, ist eine besondere: Sport bringt die Menschen zusammen. Sport kann helfen. Sport hilft, die Wunden zu heilen.“ Tanju Kardeş, der Vizekonsul des türkischen Generalkonsulats in Mainz, würdigte den Zusammenhalt und die Unterstützung der Familie, nach der Tragödie: „Serkan wurde aus dem prallen Leben gerissen. Es ist stark, wie die Gesellschaft an der Seite der Familie steht.“

Ein besonderer Geburtstag

Für die Familie von Serkan war es ein bewegender Abend, waren es emotionale Stunden. Vor dem Spiel sprachen nach der Begrüßung durch Eulen-Geschäftsführer Andreas Olbert Minister Klein und Tanju Kardeş. In der Halbzeitpause übergab Christian Baldauf, der Geschäftsführer von Lotto Rheinland-Pfalz, einen Spendenscheck über 1500 Euro, an Ismail Çalar, einen der Brüder des getöteten Schaffners. Züleyha Çalar, Serkans Mutter, wurde am Samstag 54 Jahre alt. „Sie wird nie mehr feiern“, sagte Eray Çalar, ein Bruder Serkans, ergriffen. Eulen-Geschäftsführer Andreas Olbert gratulierte mit stilvollen, sehr herzlichen Worten und einem Blumenstrauß zum Geburtstag. „Das heute war für uns als Familie eine Freude. Man hat gesehen, dass viele Leute für uns da sind, dass Zusammenhalt da ist“, dankte Eray Çalar. Ismail Çalar kritisierte in Interviews am Rande der Partie, das seiner Meinung nach zu milde Urteil für den Täter, der zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Die Unterstützung der Menschen in der Stadt und in der Halle aber tue gut. Das Miteinander lindere den tiefen Schmerz. Ismail Çalar: „Es gibt Wunden, die werden niemals verheilen.“

Zwei Fußbälle von der Nationalmannschaft

Die Riege der Einlaufkinder führten die beiden Söhne von Serkan Çalar, Hand in Hand mit den Mannschaftskapitänen, an. Tobias Wrzesinski, der Geschäftsführer der DFB-Stiftungen, hatte ein besonderes Geschenk für die beiden Jungs mitgebracht. Beide Buben bekamen jeweils einen Ball mit den Original-Unterschriften der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Die Daniel-Nivel-Stiftung, die Wrzesinski vertrat, unterstützt mit 2000 Euro. In seiner Begrüßung hatte Olbert, flankiert von Landtags-Vize-Präsidentin Marion Schneid, eine besondere Geste der Gäste von der HG Saarlouis angesprochen, die 250 Euro aufs Spendenkonto überweist. 300 Euro kamen vom Eulen-Club 100, der Eulen-Fan-Club hat 150 Euro zugesagt.

Ein Spiel der Emotionen

Das Einlaufen mit den Kindern von Serkan Çalar, die bewegenden Reden – Friedrich Schmitt, der Torjäger der Eulen, sprach am Ende von einem bewegenden, emotionalen Abend. „Ich finde es war eine tolle Geste unseres Vereins. Gut, dass wir als Eulen das auf die Beine gestellt haben.“ „Eine tolle Veranstaltung, es war wichtig, als Eulen Ludwigshafen ein Zeichen zu setzen“, sagte Trainer Michael Haaß.

Friedrich Schmitt treffsicher

Haaß‘ Mannschaft war schwer ins Spiel gekommen, geriet gegen einen starken, höchst ambitionierten Gegner sofort in Rückstand und war teilweise mit vier Toren im Hintertreffen. „In der ersten Halbzeit haben wir sieben Freie vergeben, so erklärt sich auch das Ergebnis zur Pause“, sagte Trainer Haaß, der nach dem Seitenwechsel eine bessere Eulen-Mannschaft sah, die sich im Positionsangriff merklich steigerte. „Tilo hat frischen Wind gebracht“, lobte der Coach den 18 Jahre alten Linkshänder Tilo Müller, der fünf Minuten vor dem Ende mit dem Tor zum 26:25 die Eulen erstmals in diesem Spiel in Führung brachte. In der 51. Minute hatte Friedrich Schmitt mit dem Treffer zum 24:24 erstmals in der umkämpften Partie ausgeglichen. Den Torjäger und Spielmacher „Vince“ Bülow lobte der Trainer ausdrücklich für ihre Leistungen. Der lädierte Kapitän Marc-Robin Eisel lief wohl mit ein, konnte aber nicht spielen. Sebastian Bösing stand nicht zur Verfügung, Lars Röller und Mihailo Ilic sind noch in der Reha-Phase. So arbeitete Simon Schwarz einmal mehr als einziger Kreisläufer, traf (6 von 7) und imponierte durch seine engagierte Abwehrarbeit. Schmitt war sprichwörtlich gut in Schuss, machte 10 von 14. „Eins mehr, dann hätten wir gewonnen“, merkte der Halblinke lächelnd an. „Ich freue mich, dass es läuft“, sagte der 2,07 Meter große Rückraum-Turm, der nach langer Verletzungspause auf gutem Weg zur Top-Form scheint. Die wird am Mittwoch (18.30 Uhr) in der Günter-Braun-Halle im Test gegen den Ligarivalen TV Großwallstadt erneut auf den Prüfstand gestellt.

Statistik

Eulen Ludwigshafen: Boieck (31. Krawczyk) - Leun, Bülow (3), Schmitt (10) - Straub (2), Kleinsteuber (1) - Schwarz (6) – Waldvogel, Falk (2), Menges, Schwarzer (1), Zobel (1), Müller (1) – Nicht eingesetzt: Daniel
HG Saarlouis: Fiedler (ab 55. Zecher) - Becker (2), Paetow (2), Eberlein (4) - Weißgerber (6/1), Noh (2) - Reitz (4) - Halimi (1), Petschick (2), Karrenbauer (4), Geis - Nicht eingesetzt: Schimmel, Zwing, Kubera
Spielfilm: 0:2 (2. Minute), 2:4 (5.), 9:12 (24.), 12:14 (Halbzeit), 17:21 (38.), 22:23 (44.), 25:25 (53.), 26:25 (55.), 27:26 (57.), 27:27 (Ende) - Siebenmeter: 1/0 - 3/1 - Zeitstrafen: 3/0 - Rote Karte: Zobel (57.) - Zuschauer: 400 - Schiedsrichter: Haßler/Wernz.
Fotos: Harry Reis

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