Sebastian Bösing und der goldene Wurf

12.08.2026 22:45 // hk

16 Sekunden vor Schluss geschah, was zur Pause undenkbar schien: Sebastian Bösing, der Nothelfer am Kreis, traf zum 31:30 (11:18)-Siegtreffer der Eulen. Nach unfassbaren Fehlern im Angriff und großen Schwächen in der Abwehr schien die Partie nach 30 Minuten verloren. „Wir haben in der ersten Halbzeit vorne zu viele technische Fehler gemacht und in der Abwehr schlecht gedeckt“, erklärte Friedrich Schmitt. Er war der Mann des Abends, machte 11 von 15. Er glaubte auch zur Pause noch an die Wende. „Wenn nicht, wäre ich hier falsch bei den Eulen“, sagte der Torjäger

Matteo Menges verletzt vom Feld

In der 13. Minute traf Alexander Falk zum 6:5 – es sah gut aus für die Eulen, die Vincent Bülow eine Minute zuvor mit dem 5:4 erstmals in Führung gebracht hatte. Nach dem 6:6 durch Redkyn und einem ungesühnten, klaren Foul an Friedrich Schmitt aber traf Redkyn per Gegenstoß zum 6:7. Der Faden war gerissen. Die Eulen stümperten Handball. Mit schlimmen Fehlpässen und einer Serie von Fangfehlern luden sie den Gast zu Tempogegenstößen ein. Dmytro Redkyn traf bis zur Pause achtmal. Bezeichnend für den Pleiten, Pech und Pannenabend der Eulen die 28. Minute: Schmitt Pfosten- Gegenstoß Redkyn 10:17. Bitter: Matteo Menges schied in der 23. Minute verletzt aus. Gestützt auf den Ex-Ludwigshafener Yessine Meddeb und Physio Rolf Bellmann wurde Menges vom Platz geführt. Das sieht schlimm aus. Diagnose: noch offen. Positiv in den 30 Horror-Minuten: Friedrich Schmitt machte 7 von 10.

„Vince“ als Kopf mit Kämpferherz

Die zweite Halbzeit – eine Wiederauferstehung der Eulen. Pawel Krawczyk (5 Paraden) kam für Janis Boieck (3 Paraden). Wichtig, dass Krawczyk einen Siebenmeter Eisenträgers fischte. Auf einmal lief die Maschinerie. Vincent Bülow, Kapitän da Robin Eisel verletzt fehlte, trieb die Mannschaft nach vorne. Tim Schaller als Zuschauer sah, dass sein Nachfolger Monty Kleinsteuber (3 von 3) genauso gut funktionierte wie Kumpel Kian Schwarzer (3 von 3). „Bis zum 6:6 stehen wir gut. Dann haben wir die Kontrolle verloren. Großwallstadt hat es gut verteidigt. Sie haben als Mannschaft verteidigt, bei uns jeder für sich“, analysierte „Vince“ Bülow. Das wurde nach der Pause besser und dann richtig gut. Bülow war der Antreiber, Tilo Müller brachte Schwung, Sebastian Bösing traf perfekt (4 von 4). Nach Bülows 27:27 gerieten die Eulen wieder ins Hintertreffen, Ex-Eule Jannek Klein (3 von 4) zeigte seine Klasse, traf zum 27:28 und 27:29. Dann gab es da aber auch noch einen Friedrich Schmitt. „Er hat wieder gut getroffen“, sagte Trainer Michael Haaß, der die Moral lobte, den Sieg aber auch einzuordnen weiß: „Wir haben auch die erste Halbzeit nicht vergessen …“

Der neue TVG

Der TV Großwallstadt erlebt eine Art Generationswechsel: Langjährige Korsettstangen des Teams wie Mario Stark (TV Kirchzell), Moritz Klenk ( HG Bieberau/Modau) oder auch Finn Wullenweber (TuS N-Lübbecke) haben sich verabschiedet oder wurden verabschiedet. Beide Torhüter - Jan-Steffen Minerva (TV Gelnhausen) und der Ex-Ludwigshafener Stefan Hanemann - sind gegangen. Der von den Eulen gekommene Žiga Urbič bildet nun mit Anel Durmic das Torhütergespann bei den Mainfranken. Der Junioren-Nationaltorhüter kam im März aus Krefeld. Großer Hoffnungsträger des TVG ist der aus Potsdam gekommene Linkshänder Jannek Klein, der von 2019 bis 2024 für die Eulen auf Torjagd ging.

Haaß wirbt fürs Pokalspiel

Das letzte Testspiel der Eulen vor dem Saisonstart, dem DHB-Pokal-Hit gegen Bundesligist HSG Wetzlar, steigt am Freitag (18.15 Uhr) beim Regionalligisten TV Neuhausen. Trainer Michael Haaß jedenfalls rührt kräftig die Werbetrommel für das Pokalspiel. Am Dienstag bei der Präsentation seiner Mannschaft im Anschluss an die Mitgliederversammlung des Eulen-Clubs 100 im Behler Haisl appellierte Haaß an die Fans, am 23. August (17 Uhr), seiner Mannschaft den Rücken zu stärken. Pokal: Das ist David (Eulen) gegen Goliath (Wetzlar). Fünf Jahre nach dem Abstieg aus der 1. Liga bestehe die Chance einen Bundeligisten in einem Pflichtspiel zu sehen. Vielleicht sogar verlieren zu sehen. Haaß in der Hoffnung auf den achten Mann als „Höllenfaktor“: „Wir haben eine Chance!“

Statistik

Eulen Ludwigshafen: Boieck (31. Krawczyk) - Leun (1), Bülow (4), Schmitt (11) - Falk (1), Schwarzer (3/2) - Bösing (4) – Zobel (1), Schwarz, Daniel (1), Kleinsteuber (3), Menges, Straub (2), Müller
TV Großwallstadt: Urbič (31. Durmic) - Klein (3), Klimpke (2), Battermann (2), Redkyn (9), Eisenträger (7/3) - Gempp (2) – Rohwer, Skaarnes (2), Meddeb, Kaysen (1), Zimmer, Horleben (1), Aukstikalnis (1)
Spielfilm: 1:0 (2. Minute), 5:4 (12.), 6:7 (15.), 7:15 (23.), 11:18 (Halbzeit), 15:19 (35.), 17:20 (37.), 20:22 (42.), 21:23 (43.), 21:26 (46.), 27:27 (53.), 27:29 (54.), 28:30 (56.), 30:30 (59.), 31:30 (Ende) - Siebenmeter: 2/2 - 4/3 - Zeitstrafen: 3/3 - Rote Karte: keine - Zuschauer: 120 - Schiedsrichter: Köppl/Regner.

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