Geschichte wiederholt sich doch: Einmal mehr sind die Eulen gut im Spiel, einmal mehr erleben sie einen Totaleinbruch. Beim Spiel in Dresden passiert’s beim Stand von 13:13 nach 26 Minuten. Ein unerklärlicher 0:5-Lauf wirft die Ludwigshafener bis zur Pause mit 13:18 zurück. Nach dem Seitenwechsel geht’s genauso weiter – ein 0:8-Lauf raubt die letzte Hoffnung. Der HC Elbflorenz gewinnt vor 1804 Zuschauern in der Dresdner Ballsport Arena 38:28 (18:13) gegen die Eulen Ludwigshafen und führt die Tabelle der 2. Handball-Bundesliga mit 14:2 Punkten an. Die Eulen darben mit 4:12 Punkten im dunklen Tabellenkeller. Für Eulen-Coach Michael Haaß war das Resultat am Ende (fast) sekundär. „Wir haben einen Spieler verloren“, beschrieb der Trainer die Situation, die die Eulen schockte: Friedrich Schmitt, der Top-Torschütze der Eulen, traf in der 6. Minute zum 3:3. Bei der Landung ist es passiert - umgeknickt. Der 22-Jährige musste raus. Er war geschockt. Tränen flossen. Diagnose offen… „Hoffentlich ist es nicht allzu schlimm. Es hat sich nicht gut angehört“, sagte „Top-Comebacker“ Bruno Eickhoff.

Starkes Eickhoff-Comeback nach 134 Tagen
134 Tage nach seinem letzten Handballspiel kehrte Bruno Eickhoff auf die Platte zurück. 134 Tage nach dem am 4. Juni 28:39 verlorenen Bundesligaspiel gegen die Füchse Berlin im Dress der MT Melsungen gab Eickhoff sein Comeback. Es war das Debüt des Kreisläufers im Trikot der Eulen. Um 16.03 Uhr kam Eickhoff im Angriff für Mihailo Ilic aufs Parkett, um 16.04 Uhr brachte Eickhoff die Eulen mit 2:1 in Führung. Unterm Strich stand ein Top-Comeback: 4 von 4, dazu hat Eickhoff einen Siebenmeter erarbeitet. „Wir waren 25 Minuten gut im Spiel, zeigen was wir können, verlieren dann den Faden, machen zu viele technische Fehler. Und Friedrich fehlt uns“, analysiert Eickhoff den Einbruch: „Wir machen zu viele einfache Fehler, fangen dann an uns zu fürchten…“ Was nimmt man mit für das nächste schwere Spiel nächsten Samstag (18 Uhr) in Lübeck? „Wir nehmen die ersten 25 Minuten mit. Da waren gute Sachen dabei, da hat die Kreis-Kooperation gut funktioniert“, sagte Eickhoff. „Am 7:6 müssen wir noch ein bisschen arbeiten“, sagte der Kreisläufer. Die Variante ging wieder voll daneben.
De Hooge und Röller operiert
Neben den Linkshändern Tilo Müller, der wegen einer Knieverletzung pausiert, und René Zobel, der wegen Gehirnerschütterung weiter fehlte, stand auch Torhüter Pawel Krawczyk, dessen Rückkehr nach Meniskusoperation näher rückt, in Dresden nicht zur Verfügung. Der Halblinke Lennart de Hooge wurde am Donnerstag in der Heidelberger Atos-Klinik an der Schulter operiert und wird, wie Kreisläufer Lars Röller lange ausfallen. Röller unterzog sich am Freitag in Prien am Chiemsee einer Operation am zum zweiten Mal gebrochenen rechten Mittelfuß.

Zur Pause nach 0:5-Lauf in Rückstand
In der 26. Minute gelang Finn Leun mit einem wunderbaren Treffer das 13:13 – die Eulen waren richtig gut im Spiel. Dann wiederholte sich der Filmriss, der die Mannschaft schon beim Fehlstart gegen Ferndorf und gegen Minden auf die Verliererstraße brachte. Ein 0:5-Lauf – zur Pause lagen die Eulen 13:18 zurück. Typisch das 18. Gegentor: Im Angriff vermochten sie ihren Freiwurf nicht zu nutzen, Fuhrmann nutzte den geschenkten Tempogegenstoß.

Der Schmitt-Schock
Die Eulen wurden in der 6. Minute regelrecht geschockt: Friedrich Schmitt stieg hoch, traf zum 3:3 und verletzte sich bei der Landung böse. Gestützt von Physio Rolf Bellmann und Bruno Eickhoff musste der Torjäger von der Platte. Die Tränen des 22-Jährigen lassen Böses erahnen. Seine Rolle übernahm dann Kapitän Eisel, der wohl 4 Assists verbuchte, aber ohne Torerfolg blieb (0 von 4). „Es scheint so zu sein, dass uns das Pech am Stiefel klebt. Die Verletzung von Friedrich trifft uns hart“, sagte Eulen-Geschäftsführer Andreas Olbert. „Bruno Eickhoff hatte einen sehr guten Einstand. Aber der erneute Total-Einbruch ist nur schwer erklärbar“, sagte Olbert.

Lichtblick Kian Schwarzer
Ein Lichtblick im Eulen-Team war neben Bruno Eickhoff vor allem Kian Schwarzer. Er nutzte alle 4 Siebenmeter, hatte wie Eickhoff ( 4 von 4), Alexander Falk (4 von 4) und Theo Straub (2 von 2) mit 7 von 7 eine 100-Prozent-Quote. Am Ende aber stand Ernüchterung. „Natürlich fehlte Friedrich, ein Spieler, der ganz wichtig für uns ist“, sagte Schwarzer: „Ich hoffe, dass er uns nicht zu lange fehlt …“ Dabei hatte es so gut begonnen, sagte auch der Linksaußen: „Wir kommen gut ins Spiel, spielen 15 Minuten auf gleichem Niveau, und dann sind es Kleinigkeiten, verlieren vorne einfach zu viele Bälle, gehen mit einem 0:5-Lauf in die Halbzeit und dann geht es genauso weiter…“ Mit Marino Mallwitz kam nach 17 Minuten einer für Robin Cantegrel ins Tor, der überragend hielt, 13 Parden verbuchte. Die Eulen wechselten auch im Tor: Janis Boieck spielte 39 Minuten, Philipp Wenning 21. Boieck parierte 5 Würfe, Wenning 4.
Fotos: HC Elbflorenz 2006
