Zu Gast bei der Heimmacht Lübeck

23.10.2026 10:00 // hk

Lübeck, Hansehalle – für die Eulen Ludwigshafen ein Reiseziel, das mit wenig guten Erinnerungen verknüpft ist. Im hohen Norden war auch in besseren Zeiten nie viel drin. Am Samstag (18 Uhr) gibt’s ein Wiedersehen. Das Spiel leiten Lukas Schwarzmeier aus Frankfurt und Béla Stewen aus Gießen. Dyn überträgt – wie alle Spiele der 1. und 2. Handball-Bundesliga – live und auf Abruf.

Lübeck – eine Spitzenmannschaft

Der gastgebende VfL Lübeck-Schwartau steht mit 12:4 Punkten auf Platz 4. Die Nordlichter haben nur zwei Pünktchen Rückstand auf Spitzenreiter HC Elbflorenz. Die Eulen, in Dresden mit 28:38 unterlegen, stehen mit 4:12 Punkten auf Platz 16. Nur die bessere Tordifferenz von minus 30 gegenüber von minus 49 vom punktgleichen VfL Hamm-Westfalen macht den Platz über dem Strich aus. Der ehemalige Eulen-Profi Max Neuhaus (27), 2023 ohne Not abgegeben, führte Schlusslicht TuSEM Essen am Montag gegen TV Emsdetten als überragender Kapitän zum 32:25-Erfog, dem ersten Saisonsieg. TuSEM verspürt mit jetzt 3 Punkten Aufwind.

Röhrig formt die „Leidenschaftstiger“

Seit 2022 ist David Röhrig, der am kommenden Mittwoch seinen 36. Geburtstag feiert, Cheftrainer beim VfL: 12., 9., 12., 7. lauten die Platzierungen in der Ära des als Talentschmied schon in Dormagen bewährten Trainers. Er hat nach dem Abgang von Top-Torjäger Mex Raguse, der 2023 nach Ludwigshafen wechselte, eine spielstarke Mannschaft geformt. Die „Leidenschaftstiger“ leben ihr Motto, sie sind speziell daheim eine Macht. Sie haben die bisherigen vier Heimspiele gewonnen. Zuletzt wurde der 1. VfL Potsdam entzaubert und mit 29:28 bezwungen. Verloren haben die Lübecker nur in Dessau und Leipzig. Eulen-Coach Michael Haaß traut den Lübeckern angesichts ihrer überragenden Entwicklung auch den Aufstieg in die Bundesliga zu.

Schmitt und Bösing fallen aus

Die Eulen hat es beim 28:38-Debakel letzten Samstag in Dresden unabhängig vom Resultat schwer getroffen: Friedrich Schmitt, der Halblinke, der Top-Torjäger, der Unterschiedsspieler, hat einen Außenbandriss erlitten und fällt bis auf Weiteres aus. Der 22-Jährige hatte in der Partie beim HC Elbflorenz in der 6. Spielminute mit einem für ihn typischen Sprungwurf das 3:3 markiert, bei der Landung nach der Luftkampfsituation ist es dann passiert.
Schmitt hatte schon in der letzten Saison großes Verletzungspech. Beim Rückrundenstart Anfang 2026 in Essen wurde er verletzt, fiel lange aus. In 25 Einsätzen erzielte er 2025/26 bei 221 Würfen 112 Tore. In der laufenden Saison quittierte Schmitt im ersten Saisonspiel gegen TuS Ferndorf in der 10. Minute eine umstrittene Rote Karte, die Eulen verloren 27:34. Nach acht Spieltagen steht der abwehrstarke 2,07 Meter große Schmitt, einer der besten Distanzwurfschützen der Liga, bei 33 Treffern aus 60 Würfen. Dazu kommen 6 Assists. Außer dem Top-Torjäger fehlen weiterhin Pawel Krawczyk, Lars Röller und Tilo Müller. Verletzt ausfallen wird nun auch Sebastian Bösing. Den Kreisläufer ersetzt Noa Zeimet, 20 Jahre junges Kreisläufer-Talent aus dem HLZ. Linkshänder René Zobel kehrt zurück ins Team.

Bruno Eickhoff lebt Handball

„Das tut weh“, sagt Eulen-Trainer Haaß beim Blick zurück auf die Niederlage in Dresden. Bis zur 25. Minute war seine Mannschaft gut im Spiel, es stand 13:13. „Die letzten 5 Minuten sind extrem ärgerlich, vor allem, dass wir mit der Schlusssirene noch das 18:13 kassieren“, sagt der Coach, unzufrieden mit dem Angriffsverhalten, dem laschen Zweikampfverhalten. Haaß: „Die Tabelle lügt nicht! Die Mannschaft muss im Überlebenskampf viel mehr investieren.“ Sicherlich ein Trumpf dabei ist Bruno Eickhoff. Nach auskuriertem Mittelfußbruch gab der aus Melsungen gekommene Kreisläufer ein starkes Debüt, hatte mit 4 von 4 eine 100-prozentige Trefferquote. Konditionell hat der 22-Jährige nach viermonatiger Zwangspause aber großen Nachholbedarf. Aber Eickhoff steht für Leidenschaft, für Einsatzbereitschaft. Er lebt Handball, er versteht Handball.

„Das Magdeburg der 2. Liga“

„Dresden war eine große Enttäuschung. Ich bin vor allem auch sehr enttäuscht von meiner eigenen Leistung“, sagte Kapitän Marc-Robin Eisel beim Rückblick auf die Partie beim Spitzenreiter. „Dresden ist eine Spitzenmannschaft, das ist eine Top-Mannschaft. Ärgerlich, dass wir 25 Minuten gut im Spiel sind, es unentschieden steht und wir die dann bis zur Halbzeit mit fünf Toren wegziehen lassen“, analysiert der Spielmacher vor der Dienstreise nach Lübeck. Auch dort wartet eine Spitzenmannschaft auf die Eulen. Marc-Robin Eisel: „Vom Spielstil ist Lübeck das Magdeburg der 2. Liga. Sie haben überragende Spieler im Eins-zu-Eins mit ihren Schlagwürfen. Was mich zuversichtlich stimmt: Dormagen spielt ähnlich und dort haben wir sehr gut ausgesehen und auch gut gewonnen.“

Fotos: Harry Reis, HC Elbflorenz 2006, TSV Bayer Dormagen, VfL Lübeck-Schwartau

ENN - Interview der Woche

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