Drei Tage nach der bitteren Heimschlappe gegen die HSG Nordhorn-Lingen sind die Eulen Ludwigshafen zu Gast bei Zweitliga-Favoritenschreck TSV Bayer Dormagen (Anwurf: Samstag, 18.00 Uhr, TSV Bayer Sportcenter). Pelin Odabar aus Berlin und Lynn van Os aus Göttingen leiten die Partie. Dyn überträgt – wie alle Spiele der 1. und 2. Handball-Bundesliga – live und auf Abruf.

Moritz Köster macht den Coup perfekt
Die Eulen sind nach dem 29:33 (18:14) gegen Nordhorn mit 2:8 Punkten und 135:151 Toren Tabebellen-15.. Dormagen, das am 5. Spieltag sensationell beim bis dato ungeschlagenen Bundesliga-Absteiger SC DHfK Leipzig 27:26 (14:13) gewann, rangiert mit 4:6 Punkten und 142:161 Toren auf dem 12. Platz. Den Coup vor 3561 Zuschauern in der Leipziger Arena machte Moritz Köster in letzter Minute mit einem „Hammer“ aus zehn Metern perfekt. Die Chance zum Ausgleich hatte Matej Klima, dessen Freiwurf der überragende Ex-Leipziger Christian Simonsen entschärfte. Es war die 14. Parade des 2,04 Meter großen Torhüters. Beste Werfer der Dormagener waren Spielmacher Luca Krist mit sechs Treffern und Linkshänder Krischa, der viermal traf.

Jakob Leun trifft Finn Leun
Trainer Julian Bauer war natürlich hoch zufrieden mit seiner Frechdachs-Truppe. „Das ist für uns ein ganz besonderer Sieg. Gegen Leipzig hat vieles zusammengepasst: eine überragende Torhüterleistung, eine gute Abwehr und in den entscheidenden Phasen auch das nötige Matchglück. Gerade als Leipzig mehrfach dabei war das Spiel auf seine Seite zu ziehen sind wir ruhig geblieben und haben immer wieder Lösungen gefunden. Vor dieser Kulisse hier zu spielen hat wahnsinnig viel Spaß gemacht“, sagte TSV-Coach Bauer nach dem Coup. Gegen die Eulen soll der Erfolg verzinst werden. Dazu beitragen will natürlich auch Jakob Leun, der Zwillingsbruder von Eulen-Profi Finn Leun. Jakob Leun kam im Sommer aus Leutershausen nach Dormagen. Beide Leuns sind Linkshänder, beide spielen Halbrechts. Finn gefiel gegen Nordhorn als Vorbereiter beim Kempa mit Monty Kleinsteuber und im ersten Spielabschnitt auch als Torschütze mit 5 von 6.
Ein krasser 0:5-Lauf
„Als wir das Herz wieder in die Hand genommen haben, war es leider zu spät“, gestand René Zobel voll Frust nach der Heimschlappe der Eulen gegen Nordhorn. Auch er kam nach einem tollen Schlagwurf-Treffer zum 13:8 erst in der Schlussphase wieder auf Touren, traf zum 26:29, 27:30 und 28:31. Unterm Strich standen 4 von 7 und ein Traumzuspiel, das Alex Falk zum 15:11 genutzt hatte. Ein 0:5-Lauf zwischen der 45. und 50. Minute vom 23:22 zum 23:27 warf die Eulen entscheidend zurück. „Wir hatten kein Tempospiel mehr“, sagte Zobel, wohlwissend, dass vier der nächsten fünf Spiele Auswärtsspiele sind: „Die Punkte hätten uns gutgetan.“

Der positive Ansatz
„Die Tabelle sieht nicht gut aus. Wir müssten zwei Punkte mehr haben“, sagt Eulen-Trainer Michael Haaß. „Die Niederlage tut weh! Wir haben sehr viel investiert“, sagte der Coach nach dem Nordhorn-Spiel und der verspielten Führung von phasenweise sechs Toren. „Es lag nicht nur am 7:6-Spiel, auf das wir uns nicht gut eingestellt haben. Wir hatten in der ersten Halbzeit die beste Angriffsleistung überhaupt, obwohl wir noch drei Freie vergeben haben. Mit den Fehlwürfen ging das Selbstvertrauen verloren, die Gegentore fielen viel zu schnell, nach dem 23:23 können wir nochmal in Führung gehen und dann ist’s in drei Minuten passiert“, analysiert Haaß. Er weiß natürlich, dass der Sieg in Leipzig Dormagen beflügelt. „Das gibt Selbstvertrauen. Das ist eine junge, wilde Truppe“, sagt Haaß, der auf eine konzentrierte Eulen-Mannschaft hofft, die ihre Leistung endlich einmal wieder über 60 Minuten abrufen müsse. Die Fehler vom Mittwoch wurden angesprochen, der Haaß’sche Ansatz aber ist, das Positive in den Vordergrund zu stellen. Gerade auch in einer „englischen Woche“.

Viele Freie verballert
„Sehr gefrustet“ war Eulen-Kapitän Marc-Robin Eisel nach der verspielten Führung und der Heimniederlage gegen Nordhorn. „Im Nachgang habe ich aber versucht das Positive für uns aus dem Spiel zu ziehen. Im Angriff haben wir in der ersten Halbzeit mit das Beste bisher überhaupt gespielt. Leider haben wir trotzdem die drei Freien vor der Pause nicht gemacht und so versäumt den Sack zuzumachen“, erklärte der Kapitän. „80 Prozent der Chancen, die wir vergeben haben, waren freie Bälle“, hadert der Spielmacher beim Blick zurück. Vor der jungen Dormagener Mannschaft hat Eisel sehr viel Respekt: „Wenn die einen guten Tag erwischen, dann können sie jeden Gegner schlagen.“ Den Schlüssel zu einem Erfolg der Eulen sieht der Kapitän im entsprechenden Rückzugsverhalten. Das fehlte zuletzt nach dem Seitenwechsel.
Fotos: Harry Reis, SC DHfK Leipzig
