Die Eulen Ludwigshafen geben am Mittwochabend einen schon sicher geglaubten Sieg aus der Hand, verlieren vor 1365 Zuschauern nach 18:14-Pausenführung 29:33 gegen die HSG Nordhorn-Lingen. Spielentscheidend aus Sicht von Eulen-Trainer Michael Haaß, dass seine Mannschaft gegen das 7:6-Spiel der Gäste nach der Pause keine Einstellung, kein Mittel fand. 11 Tore nach dem Seitenwechsel – mehr als dürftig und viel zu wenig! „Es ist schwer zu verdauen – wir spielen mit die beste erste Halbzeit überhaupt …“, haderte Haaß nach der zweiten Heimniederlage. Mit 2:8-Punkten sind die Eulen Tabellen-15., die Lage ist kritisch. „Wir haben wenig Zeit“, sagte Haaß mit Blick auf den Spielplan. Am Samstag (18 Uhr) sind die Eulen zu Gast beim Tabellenzwölften TSV Bayer Dormagen, der 4:6-Punkte hat und mit dem 27:26-Sieg in Leipzig mehr als nur ein Ausrufezeichen setzte.

Eulen zur Pause 18:14 vorne
Nach den ersten 30 Minuten führten die Eulen 18:14. Der Vorsprung hätte deutlicher ausfallen können, ja müssen, doch Monty Kleinsteuber gleich zweimal und Alex Falk vergaben völlig freie Chancen. Es war nicht Falks Abend, am Ende war’s 1 von 4. Dazu kamen die Gäste vor der Pause nach Fehlpässen von René Zobel und dem zunächst überragenden Marc-Robin Eisel zu einfachen Gegenstoßtoren. So stand’s zur Pause „nur“ 18:14, es hätte gut und gern 20:12 heißen können, dürfen, müssen! Den Torreigen hatte Friedrich Schmitt nach 30 Sekunden eröffnet. Zwischenzeitlich führten die Eulen gar mit 5 Toren (16:11, 17:12), einmal gar mit 6 Toren (18:12). Debütant Sebastian Bösing durfte sich in der 7. Minute über sein erstes Tor im Eulen-Dress freuen, der Nothelfer am Kreis warf das 5:2. „Wir müssen uns vorwerfen, dass wir zur Pause nicht höher führen“, befand Eulen-Trainer „Micha“ Haaß.

„Für Lars ist das sehr, sehr bitter“
Lars Röller, drei Monate nach einem Mittelfußbruch auf die Platte zurückgekehrt, hat erneut einen Mittelfußbruch am rechten Fuß erlitten. In den ersten vier Saisonspielen kam der Mann mit der Trikotnummer 23 zum Einsatz, machte aus sechs Würfen vier Tore. Im Training hat es den Kreisläufer nun erneut erwischt. „Ich bin im Gespräch und im Austausch mit den Ärzten. OP oder konservative Behandlung – ich weiß es noch nicht“, erklärte der 27-Jährige. „Diese Position ist verhext bei uns. Für Lars ist das sehr, sehr bitter. Er war gut zurückgekommen“, bedauerte Trainer Haaß.
Fünf Ausfälle
Außer Röller fehlten den Eulen gegen Nordhorn dessen Kreisläufer-Kollege Bruno Eickhoff, Linkshänder Tilo Müller, Lennart de Hooge, der sich einer Schulter-OP unterziehen muss, und Torhüter Pawel Krawczyk, der nach seiner Meniskusoperation hofft in zwei Wochen wieder spielen zu können. Michael Haaß mutmaßt, dass Eickhoff in drei Wochen fit sein könnte.

Vier Rückkehrer
Vincent Bülow und René Zobel waren gegen Nordhorn wieder dabei, Sebastian Bösing erlebte sein Pflichtspiel-Debüt im Eulen-Dress. Schön: Er lief mit seinem zwei Jahre alten Töchterchen Malea auf dem Arm ein. Nach seinem zweiten Mittelfußbruch, am 10. Mai im Spiel gegen Potsdam erlitten, feierte Mihailo Ilic sein Comeback. Er wurde mit Sonderbeifall begrüßt. Bülow kam in der 25. Minute auf die Platte, 14 Sekunden später traf er zum 16:11. Klasse Zobels Schlagwurf zum 13:8. „Es war ein tolles Gefühl wieder auf dem Platz zu stehen. Ich freue mich wieder da zu sein“, sagte Ilic. Weh aber tat die Heimschlappe!

Der Einbruch
Nach der Pause gaben die Eulen das Spiel aus der Hand. Nach dem 22:19 Bösings nach Bülow-Pass in Minute 39 sah es noch gut aus, dann aber kippte die Partie vollends. Maximilian Lux (9 von 11) egalisierte per Siebenmeter zum 23:23 (45.), eine Minute später führte Nordhorn durch Ruddat erstmals und setzte sich ab. 23:27 nach 50 Minuten, 24:29 nach 54 Minuten. „Auch der Rückzug war wieder ein Thema“, räumte René Zobel ein. Zobels Tore (4 von 7) kamen zu spät. Marc-Robin Eisel (6 von 7) vermochte das Spiel nach der Pause nicht mehr zu steuern, da half es auch wenig, dass Friedrich Schmitt (6 von 7) und Finn Leun (5 von 6) gute Quoten hatten. Stark: HSG-Torwart Kacper Ligarzewski, der auch einen Siebenmeter von Kian Schwarzer abwehrte, 12 Paraden verbuchte. „Wir waren nicht zweitligatauglich, ich mit eingeschlossen“, grollte Eulen-Torhüter Janis Boieck, der nur vier Paraden hatte. „Wir haben in der ersten Halbzeit vieles richtig gemacht, lassen den Ball gut laufen, haben einen guten Spielfluss, vergeben aber dann viel zu viele Freie, haben dann im Angriff viele technische Fehler, das wird in der 2. Halbzeit bestraft“, analysierte Bösing. „Wir spielen eine richtig gute erste Halbzeit und bekommen in der 2. Halbzeit dem Stecker gezogen. Wir verwerfen in der 2. Halbzeit viel zu viele freie Bälle“, sagte Alex Falk. Die Torflaute in der 2. Halbzeit führte zu der bitteren Heimschlappe.

Gäste vom Kinderschutzbund
Mit Lotto Rheinland-Pfalz hatten die Eulen am Mittwoch beim Spiel 15 Ehrenamtler und Unterstützer des Kinderschutzbundes Ludwigshafen zu Gast. Den führt Landtags-Vize-Präsidentin Marion Schneid als Vorsitzende, die auf der Tribüne ebenso die Daumen drückte wie OB Professor Dr. Klaus Blettner und der Landtagsabgeordnete Raymond Höptner. Weitere Ehrengäste waren Henning Fritz und Christian Zeitz, die 2007 mit Trainer Michael Haaß und Christan Schwarzer, dem Vater von Eulen-Linksaußen Kian Schwarzer, Handball-Weltmeister geworden sind. Zu den Gästen zählte auch Dirk Herber, der Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Innenministerium ist und dem Aufsichtsrat von Lotto Rheinland-Pfalz angehört.

„Stübis“ Back-up überzeugt
Wie bei der Mannschaft ist es wichtig auch bei anderen Positionen einen Back-up zu haben, sagt Eulen-Geschäftsführer Andreas Olbert. So fungierte am Mittwoch Christof Unholz als Hallensprecher. Er hat sich bei den TSG-Frauen in der 3. Liga und bei Testspielen der Profis schon als Ansager bewährt. Olbert: „Es geht uns darum, ihn bei einem Pflichtspiel einzuarbeiten, damit er vorbereitet ist, sollte Thomas Stüber einmal ausfallen.“ Unholz machte seine Sache gut – an ihm lag’s nicht.
Fan-Bus nach Dormagen
Der Eulen-Fanclub lässt am Samstag einen Bus zum Zweitliga-Spiel beim TSV Bayer Dormagen rollen. Anwurf: 18.00 Uhr. Der Bus wird gesponsort von H &R Automobile, dem Lackier- und Karosseriezentrum Bayar und dem Eulen-Club 100. Somit sind die Kosten für den Bus gedeckt, Mitreisende müssen dementsprechend nur die Eintrittskarten bezahlen. „Eine kleine, freiwillige Spende in die Kasse des Fanclubs ist natürlich willkommen“, sagt der Fanclub-Vorsitzende Ralf Friedel. Der Bus startet am Samstag, 13.00 Uhr, auf dem Parkplatz der Günter-Braun-Halle in 67063 Ludwigshafen, Eschenbachstraße 85. Anmeldemöglichkeiten bestehen per E-Mail an die Adresse fanclub@eulen-ludwigshafen.de
Fotos: Harry Reis
