Spieltag 10 in Liga 2: Die Eulen Ludwigshafen, mit 4:14 Punkten auf Platz 17, haben den Abstiegskampf ausgerufen. Am Freitag (19 Uhr) gastiert der Tabellenvorletzte beim fünf Punkte besser gestellten Tabellenneunten TuS N-Lübbecke. Die Partie in der Merkur Arena leiten Thomas Hörath aus Zirndorf und Timo Hofmann aus Kürnach. Dyn überträgt - wie alle Spiele der 1. und 2. Handball-Bundesliga - live und auf Abruf.
Gute Erinnerungen an 2025/26
Die Erinnerungen der Eulen an Lübbecke sind weitgehend gute: In der Hinrunde 2025/26 feierten die Eulen gegen Lübbecke einen 27:25-Erfolg - es war der erste Sieg mit Michael Haaß als Cheftrainer. Die Folge war das Aus für Piotr Przybecki als Coach des TuS. Er hatte Anfang Oktober 2024 in Lübbecke die Nachfolge von Michael Haaß angetreten. Für Przybecki kam der Kroate Davor Dominikovic. In der Rückrunde gewannen die Eulen 30:22 in Lübbecke. Nach dem holprigen Start in die Saison 2026/27 setzte der Vorjahresachte ein Zeichen, verlängerte den Vertrag mit den zuvor beim TuS Vinnhorst tätigen Dominikovic (48) vorzeitig bis Mitte 2029. Nach dem jüngsten 30:28-Sieg in Hamm steht TuS N-Lübbecke mit 9:9 Punkten und 251:267 Toren auf Platz 9. TuS-Geschäftsführer Rolf Hermann sondiert laut „Handballwoche“ auch den Spielermarkt, da zwei Rückraumkräfte länger ausfallen: Spielmacher Kasper Haugen Furu (25) musste sich einer Schulteroperation unterziehen. Eine Oberschenkelverletzung zog für den Halblinken Tjorven Sturhahn eine OP nach sich.

Die Wende erarbeiten
Die 21:32-Schlappe von Lübeck wirkt nach, gesteht Trainer Haaß. Ein „Weiter so“ schließt sich nach dem erneuten Debakel aus. „Der Kampf ums Überleben erfordert ein anderes Auftreten“, fordert Haaß: „Lübeck ist ein Aufstiegsanwärter, das ist eine gut eingespielte Mannschaft mit entsprechender Kadertiefe. Die waren eine Nummer zu groß für uns! Wir haben das Verletzungsproblem, wir hatten aber auch keine Form – weder vorne, noch hinten. Wir haben viel zu einfache Tore bekommen. Nach unserem 1:0 haben wir gleich ein, zwei Freie vergeben, dann steht es schnell 6:1 für Lübeck. Da war das Spiel praktisch schon verloren.“ „Wir müssen in Lübbecke was verändern“, sagt der Trainer, der sehen will, dass sich die Mannschaft wehrt, dass sie das Rückzugsverhalten entscheidend verbessert und sinnfreie Würfe abstellt. Dem Gastgeber attestiert Haaß eine „extrem harte Abwehr“. Resilienz ist gefragt. Bei den Zeitstrafen steht TuS N-Lübbecke nach neun Spieltagen mit 96 Strafminuten an der Spitze. Die Eulen haben 54 Strafminuten auf dem Konto.

Krawczyk-Comeback gegen TuSEM – Zobel fällt wieder aus
Dabei sein kann am Freitag Kreisläufer Sebastian Bösing, der in Lübeck verletzt fehlte. So erfährt Bruno Eickhoff Entlastung, der nach seinem Mittelfußbruch naturgemäß noch konditionell Nachholbedarf hat, aber sein Top-Format in seinen beiden ersten Einsätzen im Eulen-Dress mehr als nur andeutete. „Bruno tut uns gut, Bruno hilft uns. Er hat Klasse“, lobt Michael Haaß, der die Mentalität des 22 Jahre alten aus Melsungen gekommenen Modellathleten hoch schätzt. René Zobel, in Lübeck auf die Platte zurückgekehrt, zog sich dabei einen Muskelfaserriss in der rechten Hüfte zu und fällt erneut aus. So wartet wieder Schwerstarbeit auf Finn Leun, der zuletzt gute Auftritte hinlegte. In seinem Arbeitsnachweis stehen 30 Tore aus 49 Würfen und 15 Assists. Neben den langzeitverletzten Friedrich Schmitt, Lars Röller und Lennart de Hooge muss auch noch auf Tilo Müller verzichtet werden. „Für Pawel kommt Lübbecke noch zu früh. Ich rechne nach der Länderspielpause wieder mit ihm“, plant der Coach mit dem Einsatz von Torhüter Pawel Krawczyk nach überstandener Meniskus-OP im nächsten Heimspiel am 14. November (18 Uhr) gegen TuSEM Essen.

Falks Geburtstagswunsch
Am Freitag wird Eulen-Dauerbrenner Alexander Falk 29 Jahre alt. Der Rechtsaußen ist nach Vincent Bülow und René Zobel der drittälteste Spieler im Kader der Eulen. Es ist Falks elfte Saison als Eulen-Profi – und einmal mehr geht es für den 2021 aus der Bundesliga abgestiegenen Club um die Existenz. „Wir sind im Abstiegskampf. Die Tabelle lügt nicht. Die Situation muss uns allen bewusst sein. Wir haben in den letzten zwei, drei Spielen ordentlich Scheiße gebaut. Man darf in Dresden oder Lübeck verlieren, aber nicht so“, sagt „Falko“. Die Totaleinbrüche, das kollektive Versagen mit 0:11- oder 0:8-Läufen tun weh, zumal so das Torverhältnis verunstaltet wird. Falk war beim „Wunder von Ludwigshafen 2.0“ dabei – es wurde nur wegen der besseren Tordifferenz möglich. Die Eulen, der VfL Gummersbach und die SG BBM Bietigheim hatten 14:54 Punkte, die Eulen eine Tordifferenz von minus 153, Gummersbach hatte minus 154, Bietigheim minus 174. So stieg der traditionsreiche VfL Gummersbach mit Bietigheim ab und die Eulen feierten ihr Wunder! Die augenblickliche Niederlagenserie tut weh, sagt Falk und versucht die Krise zu erklären: „Wir verhaspeln uns. Wir nehmen uns unmögliche Würfe, machen viel zu viele leichte Fehler, ein Missgeschick folgt dem anderen. Man darf keine Angst vor Fehlern haben. Hat man Angst, macht man Fehler.“ Die Ausgangslage, die Rollenverteilung für Freitag ist eindeutig, sagt Falk: „Wir sind auch in Lübbecke nicht der Favorit. Wir wollen aber Vollgas geben. Dass wir was holen, dass wir was mitnehmen – das würde ich mir für meinen Geburtstag wünschen!“

Franz Hutter drückt die Daumen
Ein Datum ist angesichts der Terminenge vor der bevorstehenden Heim-WM ein wenig untergegangen: Vor 60 Jahren feierte die Handball-Bundesliga Premiere! Am 15. Oktober 1966 startete die damals in Nord- und Südgruppe geteilte Handball-Bundesliga in ihre erste Saison. Es wurde eine Erfolgsgeschichte. In der Südstaffel sorgte der TV Hochdorf damals für Furore. Der TVH gewann sein Eröffnungsspiel in der Friedrich-Ebert-Halle 14:11 gegen die Reinickendorfer Füchse. Vier Hutter-Brüder machten den TVH so stark: Ewald Hutter, der Älteste, war Spielleiter, Klaus Spielertrainer, dazu kamen Johannes und Franz. Cousin Josef Hutter warf in der 1. Minute gegen die Füchse das erste Bundesliga-Tor für die Hochdorfer. In den Medien war der Dorfverein vor dem Start des Abenteuers Bundesliga als „Schlachtopfer“ bezeichnet worden, wurde dann aber sensationell Südmeister und wurde erst im Finale am 25. März 1967 in der Dortmunder Westfalenhalle vom übermächtigen VfL Gummersbach mit den Brand-Brüdern Klaus und Jochen und Top-Torjäger Hansi Schmidt gestoppt. Der VfL gewann das Endspiel um die „Deutsche“ 23:7. Franz Hutter, der die TSG Haßloch 1975 als Spielertrainer zur letzten deutschen Feldhandballmeisterschaft führte, schrieb als Trainer der TSG Friesenheim Geschichte. Er führte die TSG aus der A-Klasse bis an die Schwelle der 2. Bundesliga. Franz Hutter, heute 88, hat gesundheitlich manch schweren Rückschlag erlebt, den Handball aber verfolgt er höchst intensiv und fiebert mit „seinen“ Eulen. „Die Mannschaft hat ja unheimliches Verletzungspech. Da kann der Trainer nichts dafür“, sagt Franz Hutter, der die Spiele noch immer präzise zu analysieren weiß, zuletzt die Tore aus dem Rückraum vermisste: „Da fehlte der Riese, der Friedrich Schmitt …“ Am Freitag sitzt „der Franz“ wieder am Fernseher und drückt die Daumen. Das tut er auch am Samstag, wenn der FCK, seine Fußball-Liebe, gegen Hertha BSC spielt.
Mit den Eulen nach Hüttenberg
Der Fanclub der Eulen Ludwigshafen setzt am Samstag, 21. November 2026, einen Bus zum Spiel beim TV Hüttenberg ein. Die Partie im TVH-Sportzentrum beginnt um 18 Uhr. Der Bus startet um 14 Uhr vom Parkplatz vor der Günter-Braun-Halle aus nach Mittelhessen. Die Sitzplatzkarte in Hüttenberg kostet 25 Euro, die Busfahrt kostet 10 Euro.
Anmeldungen unter E-Mal: Fanclub@eulen-ludwigshafen.de
„Die Eulen brauchen den 8. Mann und wir einen vollen Bus“, wirbt Ralf Friedel, der Vorsitzende des Fanclubs, um Mitfahrer. Für kostenlose Getränke und Snacks ist dank der Geschäftsstellenbesatzung gesorgt, sagt Friedel. H & R Automobile bezuschusst die Reise zum Auswärtsspiel. Die letzte vom Fanclub organisierte Fahrt war durchaus erfolgreich, in Dormagen feierte die Mannschaft am 3. Oktober einen 30:25-Sieg. Unvergessen das Freudenfest von Fans und Mannschaft nach Abpfiff auf der Tribüne.
Fotos: Harry Reis / Bernhard Kunz
