„Ich möchte mich bei den vielen mitgereisten Fans für diese Enttäuschung entschuldigen.“ Spontane Worte von Michael Haaß, dem Trainer der Eulen Ludwigshafen, kurz nach der 29:33 (16:15)-Schlappe beim abgestiegenen Tabellenletzten HC Oppenweiler/Backnang. Der HCO hatte bisher noch nie gewonnen und vor diesem 33. Spieltag gerade mal zwei magere Pünktchen auf dem überzogenen Konto. Im letzten Zweitliga-Heimspiel aber war nochmal Feiertag, die Mannschaft zeigte Charakter, kam nach dem 7:11 und 18:22, dem 19:23 und 22:26 immer wieder zurück. „Wir waren mehrmals mit vier Toren vorne und haben es aber nicht geschafft die Spannung hochzuhalten“, sagt „Micha“ Haaß nach der Blamage.
Mihailo Ilic wird operiert
Die Eulen spielen weiter ohne Finn Leun, Mihailo Ilic, Lars Röller und Nici Waldvogel. Für das Quartett ist die Saison beendet. Leun und Waldvogel werden beim Trainingsstart am 13. Juli nach Lage der Dinge voll einsteigen können. Das ist im Fall des am Mittelfuß operierten Lars Röller, der noch mit einer Orthese unterwegs ist, sicher auch das Ziel. Es ist aber noch ungewiss, wann der Kreisläufer voll belastbar sein wird. „Momo“ Ilic unterzieht sich am Freitag in Prien am Chiemsee einer weiteren Operation am gebrochenen Mittelfuß und ist dann mutmaßlich sechs Wochen mit Orthese und Gehhilfen unterwegs. Erst dann kann er das Reha-Programm starten. „Mein Ziel ist, beim ersten Saisonspiel fit zu sein“, betont „Momo“ Ilic, der beim abschließenden Mannschafts-Trip nach Ibiza nicht dabei sein kann und auch auf den geplanten Serbien-Urlaub verzichten muss.
Ostsee-Genuss
Nicht auf der Bank in Backnang ist Peter Ackermann. Der Betreuer, in der Mannschaft ebenso hoch geschätzt wie Christian Hasert, genießt seit Samstag den (verdienten) Ostsee-Urlaub mit seiner Familie. Nach dem in der Vorwoche gesicherten Klassenverbleib konnte sich „der Peter“ frohen Mutes verabschieden und auf einen entspannten TV-Nachmittag freuen. Schön war’s dann aber leider nicht wirklich … Freuen darf sich die Mannschaft über die Unterstützung der eigenen Fans. Der neu strukturierte Fan-Club hatte einen Fan-Bus gechartert.

Janis Boieck überzeugt
Die Unterstützung ist gut, die Leistung nicht! Zur Pause führen die Eulen 16:15. In letzter Sekunde trifft Matteo Menges, kurz zuvor egalisiert Timm Buck für das kampfstarke Schlusslicht. Erfreulichste Erkenntnis aus Eulen-Sicht: Janis Boieck, der zur neuen Saison das Eulen-Tor hüten wird, zeigt welch guten Schlussmann die Ludwigshafener bekommen. Der 27-Jährige hat in seinem vorletzten Spiel für HCO bis zur Pause sieben Paraden und beweist, warum er in der Torhüter-Hitliste der 2. Liga in den Top 10 steht. Boieck entschärft einen Schaller-Siebenmeter, kassiert wohl den Nachschuss des Linksaußen zum 4:7, lässt dann aber Theo Straub gleich dreimal abblitzen. An Žiga Urbič liegt es nicht, dass es so gar nicht passt. Er meistert in der ersten Halbzeit fünf Würfe der Gastgeber, die nicht wie ein Absteiger auftreten. Mit fünf krassen technischen Fehlern spielen die Eulen dem HCO in den ersten 30 Minuten in die Karten. Sehenswert die Bogenlampe von Leon Hein zum 7:11 in der 12. Minute. Dann feiert der Schlendrian Urständ.

Zu früh einen Gang zurück geschaltet
Nach dem Seitenwechsel scheint alles seinen Lauf zu nehmen. Die Eulen führen nach 46 Minuten 26:22 durch Alex Falk, der mit einer Augenverletzung nach 50 Minuten von der Platte muss. Da aber wackelt der Favorit schon, der zu viele Chancen verbaselt, 13 technische Fehler verbucht. Noch einmal führen die Eulen durch Straub: 29:28 nach 51 Minuten. Malte Dederding, der nach Lübbecke geht, aber gleicht zum 29:29 aus, markiert das 30:29, 31:29 und 32:29. Janis Boieck pariert auch gegen Friedrich Schmitt (4 von 11). Den 33:29-Schlusspunkt setzt Timm Buck. Top bei den Eulen: Leon Hein (8 von 9). „Wir wollten uns heute für die Saison belohnen, unseren Fans einen schönen Abend machen. Das ist nicht gelungen. Wir waren zwei, dreimal mit vier Toren, haben uns alle zu sicher gefühlt, und einen Gang zurückgeschaltet“, bilanziert Hein.
„Das Feuer ist schon noch da“
„Es ist irgendwie schon ein bitterer Abend, in dem wir Oppenweiler zum ersten Sieg verholfen haben. Bei allem Respekt vor Oppenweiler, die sich im letzten Heimspiel nochmal voll reingehängt haben, taktisch und kämpferisch alles gegeben haben“, würdigt Eulen-Coach Haaß. Er bedauert, dass seine Mannschaft nach starkem Beginn das Spiel trotz der Führungen aus der Hand gab. Haaß: „Wir waren nicht bereit, bis zum Ende durchzuspielen.“ Bedauerlich aus Trainersicht, die eigenen Fans so enttäuscht zu haben. Haaß: „Es tut uns sehr leid für die mitgereisten Fans, die heute eine Party feiern wollten. Wir haben es nicht geschafft, die Spannung hochzuhalten.“ Nach dem ersehnten Klassenverbleib sei „wahnsinniger Druck“ von der Mannschaft genommen worden, die es bei den Vier-Tore-Führungen nicht geschafft habe, „den Deckel drauf zu machen“. Mit Blick auf das Saisonfinale am Samstag (18 Uhr) gegen den TV Hüttenberg sagt Haaß: „Wir stehen vor einladenden 60 Minuten. Das Feuer ist schon noch da!“
Toller Abschied für Boieck
Nach dem ersten Saisonsieg verabschiedeten die Gastgeber die Spieler, die den HCO verlassen. „Der großartige Janis Boieck“, der zu den Eulen geht, wurde „als Aufstiegsheld“ von 2025 besonders gefeiert. Janis Boieck strahlte. „Ich freu‘ mich auf Ludwigshafen“, sagte er im Gespräch mit dem Medienteam der Eulen.
Fotos: HC Oppenweiler/Backnang
