„Es ist kein Sprint, es ist ein Marathon. Geduld ist gefragt!“ Dies die Bestandsaufnahme von Trainer Michael Haaß zur kritischen sportlichen Situation der Eulen Ludwigshafen. Nach zehn Spieltagen rangieren die Eulen mit 4:16 Punkten auf Platz 17 der 2. Handball-Bundesliga – es ist ein Abstiegsplatz. „Wir dürfen jetzt nicht in Panik verfallen, wir nehmen die Situation ernst, wir nehmen die Situation an. Das Gute ist, in der Tabelle ist in dem Bereich noch alles eng beisammen, fünf, sechs anderen Mannschafen geht es genauso wie uns“, urteilt der Eulen-Coach. Nach der Länderspielpause geht es für die Eulen in eine „englische Woche“, die mit den Heimspielen am 14. November (18 Uhr) gegen TuSEM Essen und am 17. November (19.30 Uhr) gegen den ASV Hamm-Westfalen beginnt, und mit dem Spiel beim TV Hüttenberg am 21. November (18 Uhr) endet.

Bittere Schlussphase
Intensive Arbeit ist vor den „zwei wichtigen Heimspielen“ angesagt. Aufzuarbeiten war erst einmal auch die (unnötige) 22:23 (11:12)-Niederlage beim TuS N-Lübbecke. „Das war zunächst ein guter Auftritt mit guter Mentalität“, sagt Michael Haaß beim Blick zurück auf die Partie in der Merkur Arena. „Das 7-zu-6 hat uns zunächst gerettet“, analysiert der Coach angesichts der Flaute im Abschluss. Seit drei Jahren, seit dem Abschied Pascal Bührers, wollte die 7:6-Variante den Eulen nicht wirklich gelingen. In Lübbecke lief’s – bis in die Schlussminuten. Dann erlitten die Eulen Schiffbruch beim 7-zu-6: zwei Fehlpässe, zwei Volltreffer ins leere Tor. Haaß: „Wir verwerfen zwei Bälle, die einfach weh tun und verlieren das Spiel. Schade, ich hätte den Jungs gegönnt, dass sie sich für ihren Auftritt belohnen.“

Pawel Krawczyk kehrt zurück
„Wir müssen das Pech, das uns verfolgt, verdrängen. Wir müssen noch mehr investieren“, beschwört Trainer Haaß Einsatzbereitschaft und Mentalität seiner Mannschaft, die personell stark gebeutelt ist. Wie sehr Top-Torjäger Friedrich Schmitt fehlt, verdeutlichte die knappe Niederlage von Lübbecke. Mit dem Freiwurf konnte in letzter Sekunde ein Punkt gerettet werden – der Wurf war wie gemalt für einen Shooter von Schmitts Format. So wurde die letzte Chance vergeben, das Spiel verloren. Klar ist: Auch an nicht so guten Tagen trifft „Friedrich der Große“ zwei-, dreimal. Das hätte in Lübbecke gereicht, die Niederlagenserie zu beenden. Aber nicht nur der 2,07-Meter-Mann fehlte, mit Tilo Müller und René Zobel fehlten auch zwei Linkshänder, so dass für Halbrechts mit Finn Leun nur eine Fachkraft zur Verfügung stand. Kreisläufer Lars Röller steht nach einem zweiten Mittelfußbruch bis auf Weiteres nicht zur Verfügung. Im nächsten Heimspiel gegen TuSEM Essen gibt Torhüter Pawel Krawczyk sein Comeback. Der 21-Jährige ist nach seiner Meniskusoperation wieder fit.
Dramatischer „Klassenkampf"
TuSEM Essen, nächster Gast der Eulen in der Friedrich-Ebert-Halle, hat sich mit drei Siegen in Serie auf 7:13 Punkte verbessert und ist auf Platz 12 vorgerückt. Eine treibende Kraft dabei war Kapitän Max Neuhaus. Vor drei Jahren kam der „Traktor“ aus Ludwigshafen und zackert seitdem mit Erfolg für TuSEM. Neuhaus, ein Führungsspieler, inzwischen 27, spielte vier Jahre für die Eulen. Ab Platz 9 beginnt die Abstiegszone; denn die HSG Nordhorn-Lingen hat wohl 10:10 Punkte, bekommt aber wegen Lizenzierungsverstößen am Saisonende sechs Punkte abgezogen. Mitten drin im Klassenkampf sind außerdem der TV Großwallstadt (Platz 10, 9:11 Punkte), TuS Ferndorf (Platz 11, 8:12 Punkte), TuSEM Essen, TV Hüttenberg (Platz 13, 6:14 Punkte, Tordifferenz minus 10), Dessau-Roßlauer HV 06 (Platz 14, 6:14 Punkte, Tordifferenz minus 27), TV Emsdetten (Platz 15, 5:15 Punkte, Tordifferenz minus 17), HSC 2000 Coburg (Platz 16, 5:15 Punkte, Tordifferenz minus 45), die Eulen (Platz 17, 4:16 Punkte, Tordifferenz minus 42) und Schlusslicht VfL Hamm-Westfalen (4:16 Punkte, Tordifferenz minus 56). Absteigen werden die beiden Letzten der Tabelle.
Fotos: Harry Reis, TuS N-Lübbecke
