Spieltag 4 in Liga 2: Die Eulen Ludwigshafen stellen sich am Samstag (19.30 Uhr) in der MBS-Arena beim mit 6:0-Punkten top gestarteten 1. VfL Potsdam vor. Die Potsdamer, eine von vier Mannschaften, die die drei ersten Spiele gewonnen haben, rangieren mit 6:0-Punkten und 98:93 Toren auf Platz 4. Die Eulen sind mit 2:4 Punkten bei 87:95 Toren Tabellenelfter. Matthias und Sebastian Klinke aus Bordesholm leiten die Partie. Dyn überträgt – wie alle Spiele der 1. und 2. Handball-Bundesliga – live und auf Abruf.

Kollektive Torgefahr
Potsdam, weiterhin von Emir Kurtagic (46) gecoacht, hat am Montag das Spiel beim TV Emsdetten noch gedreht und letztlich 34:31 (15:16) gewonnen. In der Schlussphase hatte Frederik Höler seine Paraden. Gut verteilt waren die Torschützen. Die Mittelmänner waren sehr gut drauf, was ihre Quoten belegen: Markus Mahr 7 von 8, Florian Budde 5 von 5. Der Halblinke William Reichardt machte 6 von 9. Torgefahr strahlen auch die Außen aus: Max Günther, der Rechtsaußen, machte 5 von 6, Linksaußen Marvin Siemer kam auf 4 von 6.

„Können nicht eingespielt sein“
Die beiden ersten Saisonspiele gewann das Potsdamer Projektteam, von Bob Hanning erfunden, um Nachwuchs für die Füchse Berlin zu liefern, knapp. Zum Auftakt gewann der VfL in Coburg 31:30, dann folgte der 33:32-Zittersieg gegen den TV Hüttenberg. „Durch die besonderen Spielsituationen, die sie erlebt haben, lassen sie sich bei Rückständen auch nicht aus der Ruhe bringen“, weiß Eulen-Trainer Michael Haaß. Er sieht einen Gegner mit „gut ausgebildeten jungen Spielern, ergänzt mit ein bisschen Erfahrung“. Die Personallage der Eulen ist weiterhin angespannt, jammern mag „Micha“ Haaß aber nicht: „Unsere Situation ist nicht einfach. Wir versuchen trotzdem Lösungen zu finden. Das Problem ist, dass wir nicht eingespielt sind, nicht eingespielt sein können…“

Neun aus dem „Fuchsbau“
Jugend ist Trumpf beim „Farm Team“ der Füchse. Neun der 16 Kaderspieler stammen aus dem „Fuchsbau“. Die Torhüter Frederik Höler und Max Grundmann sind 22 beziehungsweise 21. Gerade mal 20 sind der Halblinke Reichhardt, der Halbrechte Nicolas Paulnsteiner und Kreisläufer Tim Schröder. Die starken Außen Günther und Siemer sind 22. Davide Bulzamini mit 31, Giacomo Savini mit 28 und Mittelmann Mahr mit 25 sind die Oldtimer im Aufgebot, das im 21 Jahre jungen Budde einen starken Schattenmann für Mahr weiß. Der ist einer von vier Österreichern im Team.
Matteo Menges und der besondere Tag
„Meine Erinnerungen an Potsdam sind positiv. Dort habe ich mein erstes Spiel für die Eulen gemacht“, sagt Matteo Menges beim Blick zurück auf den 6. Dezember 2025. Am 14. Spieltag holten die Eulen beim 31:31 einen überraschenden Punkt in Potsdam. Menges, gerade erst aus Coburg gekommen, hatte bei seinem Debüt im Eulen-Dress mit 3 von 3 und seinem Tempospiel großen Anteil am Teilerfolg. Matteo Menges erinnert sich gerne an diesen Tag: „Ich hatte einen guten Start in meiner neuen Mannschaft, konnte der Mannschaft sofort helfen, obwohl ich erst vier Tage mit ihr trainiert hatte. Wir hätten sogar gewinnen können. So hatten wir eine coole Rückfahrt und ich konnte die Jungs ein bisschen kennenlernen.“ Zur Pause führten die Eulen 18:14, in der 35. Minute lagen sie mit sechs Treffern vorne (20:14). „Wir haben auch jetzt wieder viele Verletzte. Darüber wollen wir aber nicht sprechen. Es ist eine enge Liga und wir können auch für Potsdam ein unangenehmer Gegner sein“, sagt der 23-Jährige. Er kann Mitte spielen, aber auch Halblinks und im Coburger Trikot half er gegen die Eulen auch schon mal einen Linkshänder im Rückraum wirkungsvoll zu ersetzen. „Matteo trainiert gut. Er ist willig – und wir brauchen jeden Mann“, betont Trainer Haaß.

„Eine Top-3-Mannschaft“
„Potsdam hat individuell eine Top 3-Mannschaft. Da ist jeder in der Lage, Zweikämpfe zu gewinnen und Tore zu erzielen“, sagt Eulen-Schlussmann Janis Boieck. Nur mit mannschaftlicher Geschlossenheit sei da was zu holen. In Folge 24 des Eulen-Podcasts „HEBT SE!“, ab Samstag online, plaudert der 28 Jahre alte Boieck über das Hier und Heute, über Höhen und Tiefen seiner Karriere, über Erfolge, Rückschläge und Ziele. Auf die Ausgeglichenheit der 2. Liga setzt auch der hoch begabte Eulen-Linkshänder Tilo Müller: „In diesem Jahr ist in der 2. Liga alles möglich.“ Im „Interview der Woche“ ist der 18-Jährige Gesprächspartner von Karsten Knäuper, der die Formate des ENN (Eulen Nest News) mit Leben erfüllt.

Hoffen auf die rote Wand
Der erste Saisonsieg, das 31:30 letzten Freitag gegen den TV Großwallstadt, tat natürlich gut, sagt Janis Boieck. Er fühlt sich wohl im neuen Verein, sieht sich in der Mannschaft, im Team und im Umfeld „super aufgenommen“. In der engen 2. Liga gehe es auch darum, die Aufgaben mit der entsprechenden Demut anzugehen. Boieck setzt sehr darauf, dass die eigene Halle demnächst richtig voll sein wird. „Es macht enorm was aus, wenn eine rote Wand hinter dir steht“, sagt der Torwart.
Fotos: Harry Reis / 1. VfL Potsdam
