Das Balinger Top-Team war nicht in Top-Form, der Ex-Ludwigshafener Mex Raguse außer Form. Die Ludwigshafener Eulen aber versäumten am frühen Sonntagabend vor 2234 Zuschauern in der „Hölle Süd“ daraus Kapital zu schlagen. 45 Minuten sind die Eulen gut im Spiel. Dann zollen sie dem engen Personalkostüm gegen einen Top-Gegner, der alle Positionen doppelt besetzt weiß, Tribut und stellen sich mit insgesamt 15 technischen Fehlern und 25 Fehlwürfen selbst ein Bein. Am Ende hat der Zweitliga-Zweite HBW Balingen-Weilstetten standesgemäß 31:24 (16:14) gewonnen. „Ich denke wir machen bis zur 45. Minute ein gutes Spiel, dann schleichen sich zu viele technische Fehler ein“, bilanziert Rechtsaußen Alexander Falk (3 von 3). Durch die 31:32-Niederlage der Krefelder in Dessau haben die Eulen weiter sechs Punkte Vorsprung vor der HSG Krefeld Niederrhein auf dem ersten Abstiegsplatz.
Eulen ohne 4
Die Eulen sind weiter ohne den am Rücken lädierten Top-Torjäger Friedrich Schmitt, der bei 18 Einsätzen aus 172 Würfen 94 Tore verbuchte, und Torhüter Mats Grupe, den Zerrungen im Hüftbeuger ausbremsten, unterwegs. Abwehrspezialist Mihailo Ilic steht nach Ermüdungsbruch im rechten Fuß weiter auf der Verletztenliste. Rückraumakteur Nici Waldvogel, seit dem 5. Spieltag infolge seines Kreuzbandrisses außen vor, macht in seiner Reha weiter Fortschritte auf dem langen Weg zurück. Philipp Wenning, der gerade erst seinen im Sommer auslaufenden Kontrakt um ein Jahr bis Mitte 2027 verlängerte, war als Back-up für Žiga Urbič im Kader, den Jung-Profi Lennart de Hooge und Marcel Reis komplettieren. Urbič kam auf sieben Paraden, in den letzten elf Minuten löste ihn in Balingen Wenning ab.

HBW führt zur Pause
Zur Pause führt HBW 16:14. Die Eulen machen’s gut, sieben technische Fehler aber wissen die Balinger durch den abwehrstarken Magnus Grupe und Sascha Heinzelmann auch zu Treffern ins leere Tor zu nutzen. Bemerkenswert die Variabilität der Eulen im Angriff, auch deutliche Fortschritte beim Einsatz des 7. Feldspielers sind erkennbar. Freie Chancen wie sie sich Lars Röller nach Bülows Top-Zuspiel in Minute 28 bieten aber muss man nutzen!

Zu viel verballert
Nach der Pause scheitert Tim Schaller mit zwei Siebenmetern. In der 32. Minute pariert Benedek Nagy, in der 37. Minute trifft Schaller vom Siebenmeterstrich nur den Pfosten. Zudem vergibt Schaller (4 von 7) eine freie Wurfmöglichkeit. „Heute war mehr drin. Aber irgendwie haben wir uns selbst im Weg gestanden“, räumt der Linksaußen die Unzulänglichkeiten ein. In der 43. Minute bringt René Zobel mit einem linken Hammer seine Farben noch einmal auf zwei Tore heran (19:21), aber Merlin Fuß lässt schnell das 22:19 folgen. Beim Stand von 24:20, auf Balinger Seite zeigt sich Georg Pöhle treffsicher, setzt Röller den Ball aus bester Wurfposition an die Latte. Fuß und Csuba Leimeter beseitigen alle Zweifel: 26:20 elf Minuten vor dem Ende. „Eulen ballern“ – der Schlachtruf der Eulen. Diesmal verballern sie effektiv zu viel: Matteo Menges 2 von 6, Marc-Robin Eisel 4 von 8, René Zobel 2 von 8, Finn Leun 2 von 6. Insgesamt 15 technische Fehler – jeweils 5 haben Menges und Zobel auf dem Konto – bringen die kampfstarken Eulen um ein besseres Resultat.

„Vince“ gefällt
Positiv der zweite Einsatz von Vincent Bülow nach fünfmonatiger Verletzungspause: „Vince“ macht 2 von 2, beweist sich als perfekter Regisseur. „Blöd bei minus sieben hier zu sitzen und zu sagen, dass die Chance noch nie so groß war, hier irgendwas zu holen“, sagt Eulen-Trainer Michael Haaß nach den 60 Minuten. Haaß: „Balingen gibt uns relativ viele Bälle und macht auch relativ viele Fehler, die wir hätten nutzen müssen, um für irgendwas Zählbares in Frage zu kommen. Wir machen aber auf der anderen Seite selber zu viele Fehler, spielen uns viele gute Chancen heraus, die wir leider vergeben.“ Dass es am Ende so deutlich ausfiel – sehr ärgerlich. Die Eulen haben jetzt Pause bis zum 27. März (19 Uhr), dann kommt der Tabellenfünfte 1. VfL Eintracht Hagen nach Ludwigshafen.
Fotos: HBW Balingen Weilstetten
