Nicolas Waldvogel (23), seit sechs Monaten infolge eines Kreuzbandrisses auf Eis, hat seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag bei den Eulen Ludwigshafen zunächst bis zum 31. Dezember 2026 verlängert. In der Vorbereitung auf die Saison 2026/27 will der Schweizer wieder ein- und angreifen.
Nici mit eigener Note
„Ich freue mich, dass Nici bleibt“, sagt Eulen-Trainer Michael Haaß, der den jungen Schweizer als Coach des TuS N-Lübbecke schon auf der Einkaufsliste hatte. „Micha“ Haaß: „Nici kann uns als Spieler was geben, was wir so nicht im Kader haben. Er hat eine eigene Note. Der Vertrag gibt ihm die Möglichkeit nach der schweren Verletzung wieder Fuß zu fassen und sich zu zeigen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit einem sehr ehrgeizigen Spieler.“

Der Kreuzbandriss
Nici Waldvogel war im August 2025 nach starker Saisonvorbereitung mit großem Optimismus in sein zweites Jahr bei den Eulen gestartet. Es lief dann aber alles andere als rund für ihn und die Mannschaft. Nach dem Trainerwechsel machte sich Waldvogel große Hoffnungen auf mehr Spielzeit unter der Regie des neuen Trainers „Micha“ Haaß. So glaubte der Halblinke, der auch Mitte kann, den eigenen Erwartungen und Zielen näher zu kommen. Mit seinem Engagement in Deutschland hoffte Waldvogel auf den Sprung in die von Andy Schmid trainierte A-Nationalmannschaft seines Heimatlandes. „Es ist nicht nur mein Traum, es ist mein Ziel“, klassifizierte die Nummer 4 der Eulen, ein Modellathlet, 1,87 Meter groß, seine Ambitionen. Es kam ganz, ganz anders! Um sich Praxis zu verschaffen, auch um das Selbstvertrauen zu stärken, lief Waldvogel am 27. September 2025 in der zweiten Mannschaft, dem HLZ Friesenheim-Hochdorf, im Drittligaspiel beim TV Gelnhausen auf. Es lief gut, es lief sogar sehr gut. Waldvogel performte perfekt, überzeugte als Ballverteiler, machte 5 von 5 – und erlitt dann einen Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie. Beim 26:24-Sieg am 20. September 2025 in Dormagen war er letztmals bei den Profis im Einsatz, nach 5 Spieltagen war für Nici Waldvogel die Saison 2025/26 de facto beendet.

Das Ausland war das Ziel
Nicolas Waldvogel ist am 7. Januar 2003 in Zürich geboren. Mit 5 Jahren begann er beim TV Witikon mit dem Handball. Mit 10 wechselte er zu GC Amicitia Zürich. Sein Talent blieb den Spähern nicht verborgen. Bis zur U15 spielte er bei GC, dann folgte der Wechsel in die Akademie nach Schaffhausen. Den weiteren Weg skizziert Nici so: „Mit 16 bin ich dann weg von Zuhause und von Zürich nach Schaffhausen gezogen und direkt zu den Kadetten.“ Dort schaffte er den Sprung in den Kader der zweiten und der ersten Mannschaft. 2023/24 wurde er an Erstligist HSC Suhr Aarau ausgeliehen, um dann eine besondere Sommervorbereitung zu erleben. Waldvogel, dem ein Transfer nach Skandinavien vorschwebte, bot sich die Chance beim dänischen Top-Verein Aalborg Handbold vier Wochen zu trainieren. So schloss der heutige Löwen-Trainer Maik Machulla im Training die durch Olympia-Teilnehmer gerissenen Lücken. „Es war spannend. Bei einem Weltklub Zweiter auf Rückraum Mitte …“, schwärmt Nicolas Waldvogel von lehrreichen Tagen bei einem Nobel-Klub. Statt nach Dänemark oder Schweden führte Waldvogels Weg im September 2024 nach Ludwigshafen. Am 21. September debütierte der damals 21-Jährige beim 29:32 gegen TuS N-Lübbecke, traf bei seinem starken Debüt zweimal. Trainer der Gäste war… Michael Haaß.
Es war ein schwieriges erstes Jahr für den Schweizer angesichts der sportlichen Talfahrt der Eulen. Am Ende standen 37 Tore aus 79 Würfen in seinem Arbeitsnachweis.
Sicherheit gibt Rückenwind
„Es ist ein langer Weg. Es fühlt sich auch lang an. Aber ich bin gut im Plan“, sagt Nici Waldvogel, der in seinem Reha-Programm nun auch erste Schritte auf der Platte machen darf. Mit dem Ball – laufen, passen. Dazu Krafttraining. „Ich habe jetzt ja noch einige Monate, um das zu perfektionieren. Es ist ein gutes Gefühl, den neuen Vertrag zu haben und mich hier in gewohnter Umgebung heranarbeiten zu können. Die Rückmeldungen des Trainers, von Sportomed und Dr. Kusma sind positiv“, verspürt der Rückraumspieler Rückenwind.
Fotos: Harry Reis / Dennis Weissmantel
