Die Eulen Ludwigshafen haben ein 4-Punkte-Spiel im Abstiegskampf am Mittwochabend vor 1842 Zuschauern gewonnen: Nach 60 dramatischen Minuten war der 30:27 (14:14)-Heimsieg gegen die HSG Krefeld Niederrhein perfekt. Der Sicherheitsabstand auf die Krefelder auf Platz 17, einem Abstiegsplatz, beträgt nach dem Sieg im Nervenspiel nun 8 Punkte. Die Eulen sind jetzt mit 14:24 Punkten Tabellen-13. in Liga 2. RPR1. war beim Mittwochs-Krimi „Sponsor of the day“.
Am Samstag in Großwallstadt
Mit zwei Auswärtsspielen geht’s für die Eulen weiter: am Samstag (18 Uhr) beim punktgleichen Tabellennachbarn TV Großwallstadt und am Samstag, 28. Februar (19.30 Uhr), beim Liga-Siebten Dessau-Roßlauer HV 06. Das nächste Heimspiel ist das 1-Euro-Spiel am Mittwoch, 4. März (19.30 Uhr), gegen den TSV Bayer Dormagen. Bayer ist in der Tabelle gleichauf mit den Eulen. Dann heißt’s traditionell: Alle in Rot!

„Falko“ verlängert
Thomas Stüber, die Stimme der Eulen, hatte schon beim Einlaufen, das die D- und C-Jugend-Handballer des SV Waldhof begleiteten, eine gute Nachricht zu verkünden: Alexander Falk (28), seit zehn Jahren im Trikot mit der Nummer 20 für die Eulen am Ball, hat seinen Vertrag um ein weiteres Jahr bis zum 30. Juni 2027 verlängert. Die Eulen sind stolz auf ihr Eigengewächs und ihren Dauerbrenner. Die Eulen sagen: Danke Alex für diese im Profi-Business so außergewöhnliche Vereinstreue.

Benefizspiel zu Ehren von Serkan Çalar
Vor dem Anpfiff die große Stille – eine stilvolle Schweigeminute im Gedenken an den am 4. Februar als Opfer eines brutalen Verbrechens getöteten Zugbegleiter Serkan Çalar aus Ludwigshafen. Hallensprecher Thomas Stüber verlas folgenden Text: „Liebe Handballfreunde, ich möchte Sie bitten, sich von Ihren Plätzen zu erheben. Wir trauern um Serkan Çalar. Er war 16 Jahre lang Mitarbeiter der Deutschen Bahn und als Zugbegleiter bei seinen Kolleginnen und Kollegen sehr geschätzt. Am 2. Februar wurde der Ludwigshafener während seines Dienstes in einer Regionalbahn Opfer einer Gewalttat. Zwei Tage später ist er an den Folgen seiner schweren Verletzungen gestorben. Serkan Çalar wurde nur 36 Jahre alt. Unser Mitgefühl gilt seinen beiden Kindern, seiner Verlobten, seinen Eltern und seiner Familie. Wir sind fassungslos. Im August wollen wir mit einem Benefizspiel in der Saisonvorbereitung an ihn erinnern und bitten schon jetzt um einen Moment des Innehaltens.“

Zur Pause 14:14
In den ersten 30 Minuten funktionierte bei den Eulen das Zusammenspiel zwischen Abwehr und Torhüter nicht. Mats Grupe hatte nur eine Parade und wurde nach 26 Minuten durch Žiga Urbič im Tor abgelöst. Nach 28 Minuten führte der Gast, angeführt vom ganz starken Winterneuzugang Marvin Kix, der vom 1. VfL Potsdam kam, 14:11. Tim Schaller vom Siebenmeterstrich zum 12:14 und Marc-Robin Eisel zum 13:14 brachten die Eulen zurück ins Spiel. Eine Sekunde vor dem Ertönen der Pausensirene egalisierte Eisel mit einem Kraftakt zum 14:14. „Gold wert war, dass wir mit dem Unentschieden in die Halbzeit gehen“, sagte Trainer „Micha“ Haaß. Er wusste, wie wichtig der Ausgleich für die Köpfe seiner Jungs war: „Es war eine wahnsinnige Drucksituation. Ich bin stolz auf die Mannschaft, wie sie damit umgegangen ist.“

Die Lücken im Rückraum
Von sechs ursprünglich eingeplanten Rückraumspielern fehlten vier: Wie schon seit Monaten Vincent Bülow und Nici Waldvogel, dazu kamen der zuletzt in Essen so schussstarke René Zobel und Top-Torjäger Friedrich Schmitt. Der saß zwar im Dress auf der der Bank, die Rückenblessur ließ einen Einsatz letztlich aber nicht zu. Der im Nachgang im Dezember 2025 verpflichtete Matteo Menges, spielfreudig wie ein Welpe, bereichert den Rückraum durch Schnelligkeit und Mut. Er fand schwer ins Spiel, verarbeitete den ein oder anderen Schnitzer, machte 4 von 9. Vorentscheidend die Phase zwischen der 36. Minute und 42. Minute nach der ersten von fünf wichtigen Urbič-Paraden. Mit einem 4:0-Lauf durch Abwehr-Ass Mihailo Ilic, der auch Tore werfen kann (2 von 3), durch den beherzten Spielmacher Eisel, einem fantastischen Steal von Kian Schwarzer und einen Volltreffer von Finn Leun setzten sich die Eulen auf 22:17 ab. „Der Steal von Kian war Gold wert“, schwärmte Trainer Haaß vom Schlitzohr mit Sprinterqualität. Nach Eisels 20:17 war Schwarzer beim Anwurf in die Reihen der Gäste gerast, deren Tor dann verwaist war, schnappte den Ball und lief quasi ins leere Tor. Wahnsinn!!! Es wurde aber nochmal eng, zumal Schaller nach drei verwandelten Siebenern in der 56. Minute vom Punkt aus an Torhüter Durmic scheiterte. In der 58. Minute gelang Falk Kolodziej das 25:27. Die Uhr zeigte 58.02, Zeitspiel und Ballverlust drohten, als Eisel mit spektakulärem Seitfallwurf das 28:25 markierte. 59.14: Lucas Schneider verkürzt nochmals – 26:28. Alex Falk antwortet gekonnt mit dem 29:27. Der Ex-Dansenberger Julius Rose traf auf der Gegenseite: 29:27. Den Schlusspunkt setzte Menges, der unberechenbare Quirl: 30:27. „Ich bin sehr stolz, was die Mannschaft in der Drucksituation geleistet hat“, lobte Eulen-Coach Haaß angesichts der engen Personallage, räumte aber auch ein, „ein bisschen Matchglück“ gehabt zu haben. „Am Ende gewinnt die glücklichere Mannschaft“, befand Krefeld-Coach Mark Schmetz. „Wir spielen eine gute Halbzeit“, sagte Schmetz und haderte mit der verspielten 14:11-Führung. Entscheidend für ihn „die schlechte Phase in der 2. Halbzeit“, als seine Mannschaft mit fünf Treffern ins Hintertreffen geriet. Schmetz kritisierte die Leistung der Schiedsrichter sehr scharf. Eine solch schlechte Leistung habe er in den letzten zehn Jahren noch nie gesehen.

Sonderlob für Leun und Eisel
„Ich wusste angesichts der Ausfälle um meine Verantwortung“, sagte Marc-Robin Eisel nach seinem großen Spiel. Er wurde seiner Führungsrolle mehr als gerecht. Seine Schulterverletzung vermochte der Spielmacher auszublenden, machte 8 von 10 und bekam auch noch vier Assists gutgeschrieben. Ein Sonderlob des Trainers verdiente sich auch Finn Leun (6 von 8). Nach Zobels Ausfall musste der abwehrstarke Linkshänder 60 Minuten durchspielen. „Im Vorfeld wurde ja viel über die Bedeutung dieses Spiels gesprochen. Klar, es ist ein wichtiger Sieg, aber es geht schon mit dem schweren Spiel in Großwallstadt weiter“, sagte Leun. Seine starke Leistung ließ ihn strahlen. Die Kritik und auch die eigene Unzufriedenheit waren schwer zu verarbeiten, das Selbstvertrauen litt. „Ich bin immer noch ein junger Spieler“, sagt Leun, der gerade 23 wurde, im dritten Jahr bei den Eulen ist und einmal mehr auf halbrechts den Alleinunterhalter geben musste. „Der Junge hatte hier auch schon schwierige Zeiten“, lobte Trainer Haaß den Mann des Willens und freute sich mit ihm.

VIP-Gäste aus Grünstadt und Altleiningen
Als Ehrengäste begrüßten die Eulen Katja Hubrich, die Ludwigshafener Leiterin des Projekts Mama/Papa hat Krebs, und Rudolf Storck, den Präsidenten des Landessportbundes Rheinland-Pfalz, beim Mittwoch-Spieltag. Mit dem bewährten Partner Lotto-Rheinland-Pfalz hatten die Eulen eine 14-köpfige Gruppe, die sich aus Schülerinnen und Schülern der Käthe-Kollwitz-Schule in Grünstadt und der St. Rafael-Schule aus Altleiningen zusammensetzte, als VIP-Gäste eingeladen.
Fotos Harry Reis / Lisa Schuster
