Die Prioritäten verschieben sich: Für Tim Schaller (26) hat ab Sommer der Beruf Vorrang, nicht mehr der Handball. So begründet, so erklärt der Linksaußen seinen Abschied von den Eulen Ludwigshafen zum Saisonende. Mit Schaller geht ein Spieler von Bord, der sich beim Trainer, in der Mannschaft, im Verein und bei den Fans höchster Wertschätzung erfreut. Die Eulen arbeiten an einer Nachfolgelösung und suchen ein Pendant zu Schallers kongenialem Partner Kian Schwarzer (26).

„Ein sehr guter Spieler“
So sehr Eulen-Trainer Michael Haaß Schallers Abschied bedauert, so sehr versteht er auch dessen Beweggründe. „Tims Entscheidung trifft uns nicht unvorbereitet“, sagt der Coach, der in Schaller „einen begnadeten Linksaußen“ sieht, der das Team mit seiner Schnelligkeit eminent beflügelt. „Micha“ Haaß: „Tim tut der Team-Chemie auch als Typ sehr gut. Er ist ein sehr guter Spieler und ein sehr wichtiger Teil der Mannschaft. Schade, dass er geht. Ich kann den Schritt aber auch voll und ganz nachvollziehen.“
Job hat Priorität
Schaller, am 2. April 1999 in Saarbrücken geboren, Maschinenbauingenieur mit Master-Abschluss, plant seinen Lebensmittelpunkt in seine saarländische Heimat zu verlegen. Seine Freundin lebt und arbeitet in Saarbrücken. „Für mich steht der Job künftig im Fokus an erster Stelle“, betont Schaller, der zu einem tieferklassigen Verein in seiner Heimat wechseln wird. Er arbeitet derzeit in Teilzeit bei der BASF und strebt ab Sommer eine Vollzeitstelle an. „Die BASF wäre der Optimalfall“, sagt der Noch-Profi, dankbar für den Arbeitsplatz mit Homeoffice-Möglichkeiten. Schaller: „Der Job steht künftig für mich im Vordergrund, der Handball rückt in den Hintergrund. Die Prioritäten verschieben sich.“

Der „Iceman“ mit der Nummer 6
Mit dem Handball begann Tim Schaller bei der SGH St. Ingbert, die mittlerweile St. Ingbert Tigers heißt. Er kam als C-Jugendlicher 2011 zum SV 64 Zweibrücken und wechselte 2021 innerhalb der 3. Liga vom SV 64 zur HG Oftersheim/Schwetzingen, ausgestattet mit Zweitspielrecht für die Eulen. 2022 kam der Linksaußen ins HLZ Friesenheim-Hochdorf, schaffte unter Trainer Michel Abt den Sprung zu den Eulen-Profis. In der laufenden Saison erzielte Schaller, der Mann mit der Nummer 6, in bisher 17 Spielen 72 Tore. Der „Iceman“, 1,77 Meter groß, verwandelte 47 von 61 Siebenmetern. Das „Schallalala“ nach Schaller-Toren ist Kult in der Ebert-Halle.
Dankbar für die große Chance
„Ich bin dem Verein einfach unfassbar dankbar für die Chance, hier Profi werden zu können, und mich menschlich und sportlich extrem weiterentwickeln zu können“, erklärt Tim Schaller. „Ich hatte und habe in diesem familiären Umfeld viel Spaß“, betont er den Wohlfühlfaktor: „Wenn ich gehe, so bleiben es kurze Wege. Nicht nur zu Robin Esel und Kian Schwarzer, die ich schon so lange kenne. Ich habe ja auch andere Freunde in der Mannschaft gefunden.“

Voller Einsatz bis zuletzt
Noch stehen 17 Spiele im Eulen-Trikot für „Schalli“ auf dem Programm. Es geht für die Eulen darum, den Ligaverbleib zu schaffen. „Wer mich kennt, der weiß, dass es für mich keine Rolle spielt, ob ich hier noch einen Vertrag habe oder nicht. Ich werde mich weiter hundertprozentig für die Eulen einsetzen. Ich freue mich auf die restliche Zeit bei den Eulen – vor allem auch auf die neun Heimspiele“, betont Schaller. Am 6. Juni nach dem Saisonfinale gegen den TV Hüttenberg wird er verabschiedet.
Fotos: Harry Reis
