Nächste Ausfahrt Aschaffenburg: Am 20. Spieltag der 2. Handball-Bundesliga sind die Eulen am Samstag (18 Uhr) in der Linde MH Arena Gäste des TV Großwallstadt. Marvin Völkening aus Bad Oeynhausen und Jonas Zollitsch aus Bielefeld leiten die Partie. Dyn überträgt - wie alle Spiele der 1. und 2. Handball-Bundesliga - live und auf Abruf.

Die offene Rechnung
Das Hinspiel hat der TV Großwallstadt nach desolater erster Halbzeit der Eulen 33:31 (19:12) gewonnen. „Da haben wir noch eine kleine Rechnung offen …“, sagt Eulen-Rechtsaußen Alexander Falk in Erinnerung an die Schlappe. Der TVG, zuletzt mit 29:26 beim TuS N-Lübbecke erfolgreich, ist mit 14:24 Punkten und 600:621 Toren Tabellen-12.. Die Eulen, ebenfalls mit 14:24 Zählern gelistet, haben bei 531:577 Toren die deutlich schlechtere Tordifferenz und folgen auf Platz 13. „Ich finde Großwallstadt steht angesichts seiner Qualität in der Tabelle zu weit hinten“, formuliert Eulen-Coach Michael Haaß seinen Respekt vor der Mannschaft von Trainer André Lohrbach. „Sie haben das in Lübbecke sehr gut gemacht“, beobachtete Marc-Robin Eisel bei der TV-Übertragung. Rechtsaußen Maxim Schalles mit 6 Toren und Spielmacher Mario Stark, dessen Kontrakt der TVG nicht verlängert, mit 5 Toren waren die besten Großwallstadter Werfer. Linkshänder Yessine Meddeb, einst bei den Eulen daheim, verbuchte eine 100-Prozent-Quote: 4 von 4. Für den Ex-Ludwigshafener Sebastian Trost, der nach seinem Kreuzbandriss seine Reha durchläuft, holte der TVG Ole Klimpke als Nothelfer. Mit Zweitspielrecht für Großwallstadt ausgestattet ist Torhüter Leon Nowottny (20), der beim THW Kiel unter Vertrag steht. Zur neuen Saison bereichert Žiga Urbič die Eulen-Filiale in Großwallstadt. Dort endet die Zeit des Ex-Friesenheimers Stefan Hanemann.

„Robin lebt den Verein“
„Die Personalsituation wird sich kaum verbessern“, befürchtet Michael Haaß, der am Mittwoch beim 30:27 gegen Krefeld neben den beiden langzeitverletzten Vincent Bülow und Nici Waldvogel auch die Shooter René Zobel und Friedrich Schmitt ersetzen musste. „Wir versuchen unsere kleine Chance zu nutzen. Dafür müssen wie das gleiche Herz, die gleiche Leidenschaft wie gegen Krefeld auf die Platte bringen und sehen welche Fehler können wir abstellen“, sagt der Eulen-Coach. Der Sieg gegen Krefeld, der auf acht Punkte gesteigerte Abstand zum ersten Abstiegsplatz, „hat die Mannschaft auch ein bisschen befreit“, glaubt „Micha“ Haaß. „Junge Spieler wie Matteo Menges, der insgesamt ein gutes Spiel gegen Krefeld machte, dürfen auch Fehler machen. Wichtig ist, dass sie aus ihren Fehlern lernen. Das ist ein Entwicklungsprozess. Wir haben die nötige Geduld“, erklärt der Trainer der Eulen. Er wusste gegen Krefeld in Marc-Robin Eisel einen überragenden Antreiber auf dem Feld, der sich trotz einer Schulterverletzung in den Dienst der Mannschaft stellte, 58 Minuten spielte, nur für eine kurze „Bepflasterung“ bei Physio Rolf Bellmann draußen war. 8 von 10, dazu 4 Assists – ein imponierender Arbeitsnachweis. „Wie sich Robin durchbeißt, das ist auch eine Form von Qualität! Robin lebt den Verein. Er reißt die Mannschaft einfach mit“, lobt Haaß. Den starken Auftritt von Linkshänder Finn Leun (6 von 8), der alternativlos 60 Minuten durchackerte, würdigte der Trainer ebenfalls: „Finn musste, weil kein anderer da war. Er hat es sehr gut gemacht. Ich freue mich, wenn er sich ein bisschen freischwimmt.“

Lars Röllers Rückkehr
Eineinhalb Jahre war Lars Röller beim TV Großwallstadt daheim. Seit Sommer 2025 trägt der 2,04-Meter-Riese das Eulen-Trikot. Die Rückkehr auf Zeit – am Samstag ein besonderes Erlebnis für die Nummer 23 der Eulen, die sich im Guten aus Großwallstadt verabschiedet hat. „Es war eine schöne Zeit. Ich freue mich, alle wiederzusehen“, sagt der 27-Jährige. Er saß kürzlich auf der Tribüne, als Coburg mit Lars‘ jüngerem Bruder Nils in Großwallstadt gastierte. Der Heimsieg der Eulen gegen Krefeld ließ Lars Röller merklich aufatmen: „Es war wichtig nach der vermeidbaren Niederlage in Essen wieder in die Spur zu kommen.“ Lars Röller hatte in der Hinrunde zunächst mit diversen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, kam dann immer besser in Form und kommt auf eine gute Wurfquote: 17 Treffer aus 22 Versuchen.
„Wir kommen immer besser in Schwung, wir machen viel mit dem Trainer, das Zusammenspiel klappt immer besser“, sagt der Kreisläufer: „Wir haben gegen Krefeld 60 Minuten gekämpft. Wenn dann ein 18-Jähriger wie Lenny de Hooge helfen muss, dann müssen alle noch ein Stück mehr Verantwortung übernehmen.“ Dem Riesen vom Kreis ist allerdings bewusst, wie schwer die Dienstreise in die alte Heimat wird: „Die Großwallstadter hatten eine Flaute. In Lübbecke haben sie aber gezeigt, was sie können.“

Bülow-Comeback Ende März?
Im Rückraum der Eulen herrscht Personalmangel, der hat sich durch die Verletzungen von René Zobel und Friedrich Schmitt noch verstärkt. Am Mittwoch standen für den Rückraum nur noch Finn Leun (Halbrechts), Marc-Robin Eisel (Mitte), Matteo Menges (Halblinks und Mitte) sowie Mihailo Ilic (Halblinks) zur Verfügung. „Wenn vier Rückraumspieler fehlen, wird es für alle Mannschaften schwer“, betonte Bülow. Im Halbzeit-Live-Interview bei Dyn mit Karsten Knäuper weckte Vincent Bülow, der Regisseur, Hoffnung auf ein Comeback noch in diesem Frühjahr. Der Ex-Dessauer hatte am 16. Oktober 2025 im 21:31 (8:11) verlorenen Spiel gegen HBW Balingen-Weilstetten eine Schultereckgelenksprengung erlitten. Eine Verletzung, die Michael Haaß bei seinem Einstand als Eulen-Trainer schockte. „Die Reha ist in den letzten Zügen. Es wird auch Zeit, dass es wieder aufs Spielfeld geht“, sagte Bülow. Der Mann mit der Nummer 10 brennt darauf, endlich wieder mitmischen zu können. Sein Zeitplan fürs Comeback klingt optimistisch: „Ende März, vielleicht früher …“
Fotos: Harry Reis
