„Die letzten fünf Minuten waren maximal bitter …“ So schildert der herausragend verteidigende und treffende Mihailo Ilic sein Gefühlsleben nach der unglücklichen 31:32 (17:14)-Niederlage der Eulen Ludwigshafen vor 1947 Zuschauern am Samstagabend beim TV Großwallstadt. In letzter Sekunde bietet sich Lars Röller die 100-Prozent-Chance zum Ausgleich. Yessine Meddeb greift klar zur Textilbremse - der berechtigte Siebenmeter aber bleibt aus, Leon Nowottny pariert, das Spiel ist zu Ende. Die Rumpf-Truppe der Eulen ohne vier Rückraum-Asse, also ohne den verletzten Top-Torjäger Friedrich Schmitt, ohne den zuletzt treffsicheren Shooter René Zobel, weiter ohne Spielmacher Vincent Bülow und Nici Waldvogel, kämpfte mit großer Moral. Auch Kapitän Freddy Stüber konnte wegen einer Schulterverletzung nur wenige Augenblicke versuchen zu helfen. Ein Punkt in der Linde MH Arena in Aschaffenburg wäre sehr verdient gewesen! Trainer Michael Haaß, der sich „sehr stolz“ auf seine Mannschaft zeigte, die allen Widrigkeiten zum Trotz so großartig auftrat: „Bis 59.30 ist alles in Ordnung. Die letzten drei Sekunden regen uns tierisch auf. Es kann, glaube ich, jeder nachvollziehen. Es sind zwei Siebenmeter-Entscheidungen, die ganz klar gegen uns gepfiffen worden sind. Ich denke, diese Handballspiele sind dafür, dass die Mannschaften das entscheiden. Das war heute nicht der Fall!“ Der Trainer hatte so recht!!!

Eulen führen zur Pause 17:14
Bis zur 25. Minute ist’s ein hin und her: Die Eulen gehen in Führung, die Großwallstadter gleichen aus. Nach dem 13:13 durch den starken Rechtsaußen Dmytro Redkyn (5 von 6) setzen sich die Eulen auf 13:15 ab. Nach Starks 14:15 in der 28. Minute sorgen „Iceman“ Tim Schaller per Siebenmeter und Theo Straub per Gegenstoß ins leere Tor für die Drei-Tore-Pausenführung der Eulen: 17:14. Die ist vor allem Žiga Urbič und seinen sechs Paraden zu verdanken. Mit großartiger Fußabwehr wehrt er in Minute 22 auch einen Siebenmeter von Maxim Schalles ab.
Das war Siebenmeter!
Nach der Pause, Žiga Urbič kann nur noch einen Ball fassen, wird nach 51 Minuten durch Mats Grupe abgelöst, schwinden die Kräfte der Eulen. Erkennbar die nun sprunghaft ansteigende Zahl von technischen Fehlern, dazu einige folgenreiche Fehlversuche. In der 43. Minute geht der TVG durch Maximilian Horner erstmals in Führung (21:20). In der 48. Minute gleicht Kian Schwarzer spektakulär nach Eisel-Pass aus: 23:23. Eisels Zeitstrafe weiß Großwallstadt zu nutzen: 26:23 nach 50 Minuten, 27:24 nach 51 Minuten. Nach 57 Minuten führen die Gastgeber 30:28 durch den starken Spielmacher Stark. Aber Mihailo Ilic und Lars Röller egalisieren: 30:30. Meddeb 31:30, Ilic, der auch im Angriff eine Top-Leistung abliefert (6 von 7), gleicht nochmals aus: 31:31. 59.05: Die Schiris sehen „Momo“ Ilic im Kreis – Siebenmeter. Florian Eisenträger scheitert an Mats Grupe – setzt aber den Nachschuss in die Maschen – 32:31. Den Eulen bleiben noch 34 Sekunden. Sie ziehen 13 Sekunden vor Schluss den Freiwurf, Röller ist auf dem Flug zum Ausgleich – Meddebs Textilbremse bleibt ungesühnt. Der berechtigte Siebenmeter bleibt aus. Alle vier Siebenmeter hatte Tim Schaller (7/4) verwandelt. Er ist mit einer 100-Prozent-Quote (7 von 7) bester Torschütze der Eulen, die Marc-Robin Eisel (6 von 11 plus 8 Assists) antreibt.

„Da fehlen mir die Worte“
Fassungslos erscheint Lars Röller nach dem dramatischen Ende zum Live-Interview bei Dyn. Die Bilder belegen seine Worte. „Es gibt von Yessine voll den Kontakt. Vorher bei Connar Battermann geben sie Siebenmeter, obwohl ,Momo‘ meiner Meinung nach nicht im Kreis ist“, klagt Röller und erklärt mit Blick auf Yessine Meddeb: „Der reißt mich komplett am Trikot … Da fehlen mir die Worte!“

Ein Sieg war drin…
„Wir führen in der 1. Halbzeit verdient mit drei Toren und einem guten Žiga“, resümiert Mihailo Ilic am Ende. Er räumt ein, dass auch der TVG Ausfälle aufzulisten hat: „Sebi“ Trost, Finn Wollenweber, Roman Aukstikalnis und Stefan Hanemann. Letzteren ersetzte Kiel-Leihgabe Nowottny, der sieben Bälle abwehrte, ordentlich, dazu kam Ole Klimpke kurzfristig als Abwehr-Nothelfer. Nach dem 3-Tore-Rückstand sah Mihailo Ilic seine Mannschaft „kühlen Kopf“ bewahren und dann sehr unglücklich verlieren: „Es hätte auch plus 1 für uns ausgehen können…“

„Micha“ Haaß lobt die Mannschaft
Durch den 35:31-Sieg des Tabellenvorletzten HSG Krefeld Niederrhein gegen den TV Hüttenberg ist der Sicherheitsabstand der Eulen zum ersten Abstiegsplatz von 8 auf 6 Punkte geschrumpft. Umso wertvoller wäre ein Punkt in diesem Krimi beim TVH gewesen. Trainer „Micha“ Haaß: „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft, die mit all den Ausfällen so ein Spiel auf die Platte legt. Viel mehr können wir nicht machen. Viel mehr können wir aus dem Handballsport nicht rausholen mit unseren Bedingungen. Kurzfristig ist auch noch Stüber ausgefallen. Deswegen: Es war Wahnsinn wie wir gedeckt haben, wie wir Angriff gespielt haben, vorne flexibel, hinten sehr flexibel. Wir haben den TVH vor viele Aufgaben gestellt. Das Spiel geht vor sich hin. Wir sind in Führung, wir machen Fehler. Es kommt zum Ausgleich. 59.30 Minuten ist alles in Ordnung …“ Der Rest der unsäglichen Geschichte ist erzählt.
