Der Teammanager als Nothelfer

Philipp Grimm ist auch mit der Trainerfrage befasst 08.01.2021 10:00 // hk

Covid 19 hat die Tätigkeit von Philipp Grimm als Teammanager der Eulen Ludwigshafen nicht so sehr verändert. Das war vielmehr das Verletzungspech, das den Handball-Bundesligisten schon vor dem Saisonstart beutelte. „In den letzten vier Monaten war ich mehr Spieler als Teammanager“, sagt der 35-Jährige. Gekrönt vom Bundesliga-Aufstieg hatte der langjährige Kapitän 2017 seine Karriere nach zehn Jahren im Eulen-Dress beendet und stieg nach seinem Abschiedsspiel als Teammanager ein. Grimm, das Ideal von einem Bindeglied zwischen Trainer, Mannschaft und Geschäftsführung, feierte drei Jahre nach dem Karriereende in dieser Saison ein Comeback als nach Jannik Hofmann auch noch Jonathan Scholz und schließlich auch Jan Remmlinger als Linksaußen ausfielen.

In zehn der bisher 15 Saisonspiele zählte der als Entwicklungsingenieur in der Dentalbranche in Bensheim beschäftigte Ex-Kapitän zum Bundesliga-Kader der Eulen, kam sechsmal zum Einsatz und verwandelte vier Siebenmeter. So hat Grimm jetzt 365 Spiele und 1910 Tore auf seinem Eulen-Konto! „Ich war mehr sportlich gefragt“, sagt Grimm. Die Organisation für die Anreisen zu Auswärtsspielen meisterte stattdessen weitgehend Julia Ost. Dreimal wurde in der Fremde übernachtet – in Corona-Zeiten nicht so einfach ein Hotel zu finden, das sich auch noch darauf einlässt, dass 24 Stunden vorher (kostenlos) storniert werden kann. Reist die Mannschaft am Tag vor dem Spiel an – wie in Leipzig, Lemgo und Nordhorn – ist es wichtig für den Vormittag des Spieltags eine Trainingshalle zu organisieren. „Das funktioniert normalerweise im Austausch mit dem Gegner. Entweder können wir die Halle nutzen, wo gespielt wird oder die Trainingshalle unserer jeweiligen Gastgeber haben“, erklärt der Teammanager das Prozedere in der Bundesliga.

Klare Worte sind Grimms Ding

Die Mission Klassenverbleib steht auch bei Grimm im Fokus - dafür ist Leistung aus allen Mannschaftsteilen gefragt. Angesprochen auf die beiden jungen Rückraum-Rechten erklärt der Teammanager: „Uns war klar, dass Jannek Klein und Yessine Meddeb nicht nur einen Schritt nach vorne machen müssen, sondern möglichst zwei. Die Zwei brauchen Zeit und sie entwickeln sich. Das ist ein Prozess.“ Aus Grimms Worten spricht Zuversicht! „Wir haben sechs Punkte, könnten den ein oder anderen Punkt mehr haben. In allen für uns wichtigen Spielen, außer gegen Nordhorn, waren wir da. In Nordhorn haben wir nicht unsere Leistung gebracht und verdient verloren“, betont Grimm, der Freund klarer Worte. Floskeln und geschwurbelte Sätze sind sein Ding nicht!

„Es war ein gutes Halbjahr“, bilanziert Teammanager Grimm angesichts des neuerlichen Umbruchs im Kader. So gingen neben Torjäger Müller auch die Kreisläufer Kai Dippe und Frederic Stüber von Bord. „Max Haider versucht hier gerade die Rolle des Aggressiv-Leaders auszufüllen und investiert unwahrscheinlich viel, um die Mannschaft zu pushen. Er hängt sich da voll rein“, lobt Grimm Haiders Engagement. Er stellt die Mannschaft über alles, stellt sein Ego für das Team zurück. „Spielerisch hat Max noch Potenzial – gerade im Angriff. Christian Klimek hat uns hier aufgrund seiner Verletzung sehr gefehlt, sodass Max auch da voll gefordert war“, anerkennt der Teammanager. Positiv ist für Grimm auch die Entwicklung des vom Drittligisten SG Leutershausen gekommenen Hendrik Wagner. „Er spielt eine wichtige Rolle, bringt wichtige Impulse. Dass er noch nicht die nötige Konstanz besitzt, ist mit 23 beim Sprung von der Dritten in die Erste Liga normal. Aber er macht es sensationell gut“, lobt Grimm den Zwei-Meter-Mann. Eigentlich Halblinks daheim, half Wagner beim 23:23 in Coburg auf Halbrechts aus und traf viermal.

In die Beantwortung der Trainerfrage, in die Suche nach einem Nachfolger von Ben Matschke, ist Philipp Grimm „voll involviert“. So wurde der Kandidatenkreis durchleuchtet und so wird eine Entscheidung - ligaunabhängig – vorbereitet. „Wir sind in der Frage in einem sehr engen Austausch“, betont Grimm das harmonische Zusammenspiel mit Geschäftsführerin Lisa Heßler und Co-Trainer Frank Müller.

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